Fortschig

Der kritische und arme Verleger

Ulrich Friedrich Fortschig ist freischaffender Schriftsteller. Er gibt seit fünfundzwanzig Jahren die kleine Zeitung „Apfelschuß“ in Bern heraus, die nie mehr als 15 Abonnenten hat. Der Untertitel der Zeitung lautet: „Schweizerisches Protestblatt für das Inland samt Umgebung“ (S. 91). Sie erscheint in unregelmäßigen Abständen in einer Auflage von 45 Stück, wenn Fortschig das Geld für die Veröffentlichung hat.

Der Verleger stellt seine Zeitung selbst mit einem alten Vervielfältigungsapparat und einer inzwischen „wohl rostigen und klapprigen Schreibmaschine“ (S. 91, s.a. S. 58) her, die ein mangelhaftes l und r besitzt (S. 91). In dieser Zeitung, die vom „Bernischen Bundesblatt“ als „Skandalblatt“ (S. 95) bezeichnet wird, finden sich regelmäßig Angriffe gegen „alles, was uns hoch und heilig ist“ (S. 95) sowie „gegen allgemein bekannte und geschätzte Persönlichkeiten“ (ebd.).

Vor der Herausgabe der Zeitung versuchte Fortschig, sich als Autor expressionistischer Dramen zu profilieren, die aber nur bei „Asphaltliteraten“ (S. 95) für Aufsehen sorgten. Im Laufe der Zeit schafft er es immer weniger, seine dichterischen Kräfte zu formen, und beginnt viel zu trinken. So sieht man ihn oft „von einem Wirtshaus ins andere wanken, von einigen Studenten begleitet, die ihn als Genie hochleben“ (S. 95) lassen. Der Schriftsteller lebt am Rande der Armut in einer „armseligen Wohnung in der Kesslergasse“ (S. 95) in Bern.

Der störrische Besucher

Fortschig besucht Bärlach auf dessen Wunsch am 30.12.1948 im Krankenhaus. Er ist ein „kleiner, dürrer Kerl mit einem langen Hals“ (S. 51) und trägt einen offenen Regenmantel, in dessen Taschen er lauter Zeitungen gestopft hat. Unter dem Mantel kann man zerrissene graue Kleidung mit braunen Steifen erkennen sowie ebenfalls überall Zeitungen.

Um seinen schmutzigen Hals hat er wie immer ein zitronengelbes, fleckiges Seidentuch gewickelt, weshalb man ihn in Bern auch abwertend als die „Zitrone“ (S. 95) bezeichnet. Auf seiner Glatze trägt er eine Baskenmütze. Fortschig hält in seiner Hand einen eleganten, aber aus der Mode gekommenen Spazierstock mit silbernem Griff, der „aus einem andern Jah...

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