Sprache

Kommissar Bärlach

Dürrenmatt verwendet in seinem Roman „Der Verdacht“ eine einfache und für jedermann gut verständliche Sprache, weshalb die nähere Untersuchung der verschiedenen Figurensprachen für die Analyse wichtig ist.

Kommissar Bärlach spricht im Spital normales Hochdeutsch, obwohl er als Berner auch den regionalen Dialekt beherrscht. Er verwendet eine klare, schnörkellose und analytische Sprache, die zu seinem praktischen und lösungsorientierten Charakter passt. Oft formuliert er nur einfache und knappe Sätze, die seine Gedanken und Absichten kaschieren: „>>So<<, sagte der Alte und sah von seinen Akten auf. Und dann sagte er: >>Ei!<< […] Das tue ihm aber leid, bedauerte der Kommisär“ (S. 41).

Nur als er von dem Schriftsteller Fortschig besucht wird, wechselt er hin zu einer ausschweifenden und literarischen Ausdrucksweise, die sich der Sprache Fortschigs anpasst und ihm imponieren soll. Hier verwendet er zum Beispiel lange, hypotaktische und sehr bildliche Sätze mit literarischen Bezügen: „Don Quijotes sollen wir wohl alle sein, wenn wir nur ein wenig das Herz auf dem rechten Fleck haben und ein Körnchen Verstand unter der Schädeldecke. Aber wir haben nicht gegen Windmühlen zu kämpfen wie der alte schäbige Ritter mit der blechernen Rüstung, mein Freund, es geht heute gegen gefährliche Riesen ins Feld, bald gegen Ungeheuer an Brutalität und Verschlagenheit…“ (S. 54) und klaren Ansprachen an seinen Gesprächspartner: „Das gefällt mir nicht, Fortschig“ (S. 55).

Als Bärlach im Spital von Emmenberger eingeliefert wird, wechselt er vom Hochdeutschen zum Bernerdeutsch (S. 67), um seine falsche Identität zu untermauern. Emmenberger ist erstaunt und antwortet ihm im selben Dialekt. Bärlachs korrekte Aussprache von „Miuchmäuchterli“, das als „Kennwort der Berner“ (S. 67) gilt, beweist seine Herkunft und wird auch von Emmenberger erkannt. Für Bärlach ist es ein wichtiger Test, da der Berliner Nehle dieses Wort niemals korrekt ausgesprochen haben könnte. Ebenso erkennt Bärlach aufgrund des schweizerisch eingefärbten Hochdeutsch der Schwester Kläri, dass diese aus dem Berner Raum stammen muss (S. 66).

Bärlachs extreme Erschöpfung, die seiner Krankheit und der Behandlung durch Emmenberger geschuldet ist, wird dann auch sprachlich deutlich. Er kann am Ende des Romans kaum noch sprechen und bringt oft nur noch kurze Sätze oder vereinzelte Worte heraus (S. 104: >>Ich sehe<<, antwortete Bärlach.“; >>Noch fünfzig Minuten<<, sagte er l...

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