Das Gemeindegericht als Parodie

So ist es kein Zufall, dass im letzten Akt des Stückes keine Einzelidentität mehr vorhanden zu sein scheint, wenn die Bürger ihren Hass auf Ill „[n]icht wegen der Milliarde“, sondern „[a]us Volkszorn“ (S. 93) rechtfertigen, und der Bürgermeister ihm schließlich Selbstmord mit den Worten nahelegt: „Schon aus Gemeinschaftsgefühl, aus Liebe zur Vaterstadt“ (S. 108). Im Rückblick auf das bereits festgestellte Gefühlstheater der Güllener ist es ebenso wenig verwunderlich, dass Ills Verurteilung und sein „Tod aus Freude“ (S. 130) ausgerechnet im Theatersaal des Goldenen Apostels inszeniert werden. Auf der wirklichen Theaterbühne wird durch das „Theaterportal“ eine weitere Vermittlungsebene eingezogen und zu diesem vielsagenden Ort tritt noch die gebetsartige, feierliche Absegnung des Urteils hinzu, deren Theatralik auf Bitten der Presse hin abermals durch das Mittel der wortgetreuen Wiederholung übersteigert wird. An Künstlichkeit ist all dies kaum noch zu überbieten.

Trotzdem fügt der Text durch die Inschrift über der Bühne eine weitere Ebene hinzu: „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“ (S. 119), diese stammt als Zitat aus Wallenstein von Friedrich Schiller. D...

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