Komödie als Denkanstoß

Nach Dürrenmatt kann der Leser oder Zuschauer seine Dramen als gleichnishaft erkennen, weil die Komödie größere Distanz zum Geschehen schafft als die Tragödie. Der Leser kann so Parallelen zur realen Welt ziehen, auf diese Wirkung zielen Dürrenmatts Stücke und Texte ab. So wird der Leser im Falle von Der Besuch der alten Dame zum Beispiel dazu animiert, die Handlung über ihren Entstehungszeitraum hinaus zu abstrahieren und auf seine eigene Lebenswirklichkeit zu projizieren: Wie ist es heutzutage um Korruption bestellt, um die gesellschaftlichen Aufstiegsmechanismen, um die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, um den Zusammenhang zwischen Recht und Gerechtigkeit? Umso glaubwürdiger erscheint Dürrenmatts Ansinnen, wenn er sich als Verfasser nicht auf eine höhere Ebene stellt und von oben herab mahnt. Vielmehr heißt es in den Randnotizen zum Stück über den Autor, er „schrieb als Mitschuldiger“ (S. 137). In den Anmerkungen setzt sich Dürrenmatt sogar noch deutlicher mit seinen Güllenern in Beziehung und bezeichnet sich als jemanden, „der sich von diesen Leuten durchaus nicht distanziert und der...

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