Ausgewählte Dialoganalysen

Alfred Ill und der Bürgermeister: Das erste Gespräch (S. 67 – 72)

Die Flucht und der Panther

Alfred Ill und der Bürgermeister Güllens treffen im Laufe der Handlung zwei Mal zu einem Gespräch unter vier Augen zusammen. Das erste Treffen findet statt, als Ill herausfindet, dass die Güllener sich nach und nach Luxusgüter auf Kredit kaufen; sie spekulieren offensichtlich schon auf seinen Tod und auf die dann folgende Auszahlung des von Claire Zachanassian ausgesetzten Kopfgelds. Unter ihnen befindet sich auch der Polizist, den Ill soeben um Schutz gebeten hat – nur um dabei festzustellen, dass auch dieser einen neuen Goldzahn im Mund hat und teure Schuhe an den Füßen trägt (S. 61 – 66). Nun sucht Ill Hilfe im Rathaus.

Entsprechend ist Ill zunächst der fordernde Gesprächspartner: „Ich habe mit Ihnen zu reden, Bürgermeister. […] Von Mann zu Mann“ (S. 67), während der Bürgermeister den reagierenden und antwortenden Part einnimmt: „Nehmen Sie Platz“ (S. 67). Während Ill direkt zu Beginn des Gespräches seine gesellschaftliche Stellung als ausgemachter „Nachfolger“ (S. 67) des Bürgermeisters ausnutzt, um seinem Anliegen Autorität zu verleihen, beunruhigt ihn alsbald der Anblick eines Revolvers auf dem Bürgermeisterschreibtisch.

Auf die Erklärung des Bürgermeisters hin, es handle sich dabei lediglich um eine Vorsichtsmaßnahme aufgrund von Zachanassians herumstreunenden Haustierpanther, reagiert Ill lakonisch: „Gewiß“ (S. 67), und „mißtrauisch“ (S. 67). Als der Bürgermeister ebenso einsilbig begründet: „Raubtierjagd“ (S. 67), wird wiederholt auf die Bildhaftigkeit der Pant…

...

Alfred Ill und der Pfarrer (S. 73 – 76)

Raub Tiere und Wild Jagd

Nach seinem ersten Gespräch mit dem Bürgermeister, in dessen Zuge er erkannt hat, dass es die gesamte Stadt auf ihn abgesehen hat, flüchtet Ill sich in die Sakristei zum Güllener Pfarrer. Auch dieser hat ein Gewehr bei sich und lässt sich im Laufe des Gespräches vom Sigristen ankleiden. Die Worte, mit denen der Pfarrer Ill empfängt, sind mehrdeutig formuliert: „Es ist dunkel hier, doch kühl“ (S. 73). Einerseits bietet die dunkle Sakristei also die Möglichkeit für Ill, sich zu verbergen und vor der aufgeheizten Stimmung gegen ihn zu fliehen; andererseits deuten die Finsternis und die niedrige Temperatur, in denen sich die Gefühlskälte der Güllener widerspiegelt, bedrohlich auf Ills Schicksal hin.

Die Sprache des Pfarrers ist von pathetischen und predigthaften Floskeln geprägt. So äußert er zu Ill: „Das Gotteshaus steht jedem offen“ (S. 73), schließt jedoch im selben Atemzug den entflohenen Panther der Zachanassian aus, denn er habe das Geweh…

...

Alfred Ill und der Lehrer (S. 99 – 103)

Schwäche und Stärke

Zum einzigen Gespräch zwischen Alfred Ill und dem Lehrer Güllens kommt es am Tag der Gemeindeversammlung. Der Lehrer hat sich in Ills Laden mithilfe von mehreren Schnäpsen Mut angetrunken und will der angereisten Weltpresse die Wahrheit mitteilen, wird jedoch von seinen Mitbürgern übertönt und zu Boden gerissen. In diesem Moment taucht Ill auf, der sich tagelang in seinem Zimmer eingeschlossen hatte, und verhindert so, dass dem Lehrer Leid zugefügt wird: „Was ist los in meinem Laden?“ (S. 99).

Als der Lehrer daraufhin laut äußert: „Ich erzähle den Herren von der Presse die Wahrheit“ (S. 99), fährt auch Ill ihm üb…

...

Alfred Ill und der Bürgermeister: Das zweite Gespräch (S. 105 – 109)

Die Gemeindeversammlung

Im zweiten Gespräch mit Alfred Ill, welches nach Ills Dialog mit dem Lehrer stattfindet, agiert der Güllener Bürgermeister weniger aggressiv und hinterlistig, erreicht jedoch trotzdem nie denselben Grad an Ehrlichkeit wie zuvor der betrunkene Lehrer. Der Bürgermeister besucht Ill in dessen Haus, um ihm von der Bürgerversammlung zu berichten: Diese soll vordergründig Zachanassians Schenkungsstiftung begründen, dient in Wahrheit jedoch nichts anderem als Ills öffentlicher Verurteilung zum Tode.

Dass die Unterredung der beiden nach der Begrüßung mit „Schweigen“ (S. 105) beginnt, welches sich im Laufe des Gespräches noch vier Mal wiederholt (S. 106 ff.), deutet bereits darauf hin, wie wenig sich Ill und der Bürgermeister eigentlich zu sagen haben, obwohl sie äußerst wortreich miteinander sprechen. Der Bürgermeister bringt Ill ein Gewehr (S. 105), was als bildlicher Rückgriff auf die Bewaffnung der Güllener während der Pantherjagd zu verstehen ist.

Da Ill jedoch im Gespräch mit dem Lehrer sein Schicksal bereits akzeptiert hat, bekundet er klar und deutlich: „Ich brauche es nicht“ (S. 106). Daraufhin unterrichtet der Bürgermeister Ill: „Heute abend ist Gemeindeversammlung“ (S. 106). Ill willigt ein, zu kommen. Wie ruhig er sein Schicksal tatsächlich akzeptiert, zeigt sich vor allem darin, …

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen