Schuld, Unschuld und Verantwortungslosigkeit

Die Schuld von Albert Schrott

Angeborener Schwachsinn

Albert Schrott ist Mörder von drei kleinen Mädchen und macht sich zudem des versuchten Mordes an Annemarie schuldig. Allein der Zufall kann verhindern, dass er auch sie noch umbringt. Er stirbt auf dem Weg zu ihr bei einem Autounfall. Auf den ersten Blick scheint es klar zu sein, dass Albert voll schuldfähig ist, doch schon das Täterprofil von Prof. Locher deutet darauf hin, dass er geisteskrank und damit nicht voll schuldfähig ist.

Der Psychiater erklärt Matthäi, dass Menschen, die sich in dieser Art an Kindern vergehen, „primitiv, mehr oder weniger schwachsinnig, Imbecile oder Debile“ (S. 86) sind. Sie neigen zu Gewalttaten und empfinden gegenüber Frauen Minderwertigkeitskomplexe oder sind impotent (S. 86).

Aus der Beschreibung von Frau Schrott geht hervor, dass Albert in der Schule nie sehr gut war. Daher trifft auch die These von Locher zu, dass der Täter mit angeborenem Schwachsinn auf die Welt gekommen ist oder ihn durch eine Krankheit erworben hat (S. 88). Albert hat keine Kontrolle über seine Triebe und kann den Impulsen, zu morden, nur einen sehr geringen Widerstand entgegensetzen. Es reichen kleine Dinge, wie ein geänderter Stoffwechsel oder degenerierte Zellen, aus, um aus ihm ein Tier zu machen.

Der immer geringer werdende Abstand zwischen den einzelnen Morden ist laut Prof. Locher ein Indiz dafür, dass die geistige Krankheit des Mörders sich verschlimmert. Sein Widerstand, nicht zu morden, wird durch den negativen Krankheitsverlauf immer geringer. Nach jedem Mord staut er neuen Hass in sich an.

Die Stimmen von Himmel

Anfangs kann Albert seinen Hass in gewisser Weise noch durch seine Fresssucht kompensieren (S. 145). Doch in den 1940er Jahren bemerkt seine Frau, dass „etwas in seinem Kopf schadhaft geworden“ (S. 146) ist. Der ohnehin schon nicht sehr gesprächige Albert wird immer stiller und beginnt, mit dem Fahrrad nach Opfern zu suchen. Schließlich begeht er den ersten Mord. Als ihn seine Frau darauf anspricht, teilt er ihr mit, dass eine „Stimme vom Himmel“ (S. 148) ihn dazu aufgefordert habe. Sie habe ihm den gesamten Ablauf des Mordes mitgeteilt, den er dann umsetzt habe (S. 148).

Auch die anderen Morde folgen diesem Ablauf. Albert ist schwer krank, macht aber nach außen hin den Eindruck, dass er herzensgut und bei vollem Verstand ist (S. 149). Über die Morde spricht er vollkommen ruhig (S. 151). Beim dritten Mord ist er nach der Tat aber „ganz geknickt“ (S. 151) und weint.

Nur einige Monate später wird er wieder „unruhig und fahrig“ (S. 151), wie seine Frau erkennt. Albert vernachlässigt seine Pflichten, woraufhin es zu einem Streit mit seiner Frau kommt. Dabei schreit er sie zum ersten Mal an und wirft ihr vor, ihn nur wie einen Hausknecht zu behandeln (S. 152). Er fährt kurz darauf los, um seinen vierten Mord auszuführen, der nur durch seinen tödlichen Autounfall verhindert wird.

Das kleine Kind

Analysiert man diese lange Krankheitsgeschichte, so ist Albert Schrott aus rechtlicher Perspektive heraus  nur vermindert schuldfähig. Er begeht die Morde nicht aus Lust an der Gewalt, sondern aufgrund seiner Geisteskrankheit. Negativ verstärkt wird sein Krankheitsverlauf ...

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