Charakterisierung

Unsere gründlichen Charakterisierungen zu Friedrich Dürrenmatts Krimiroman Das Versprechen erwähnen zuerst die wenigen Angaben, die zum Ich-Erzähler gemacht werden. Darauf folgt die ausführliche Schilderung des Polizeikommandanten Dr. H., der dem Ich-Erzähler auf dem Weg von Chur nach Zürich die gesamte Binnenhandlung erzählt. Daran schließt sich die umfassende Beschreibung von Kommissar Matthäi an, der die zentrale Figur der Binnenhandlung verkörpert. Er ist zugleich der pragmatische und der idealistische Detektiv, der für die Suche nach dem richtigen Mörder des kleinen Mädchens Gritli Moser alles aufgibt und radikale Methoden anwendet.

Die Analyse der Figur des Hausierers von Gunten verdeutlicht, weshalb er von allen außer Matthäi für den Mörder der Mädchen gehalten wird. Am Ende der Geschichte erweist sich jedoch, dass der Chauffeur Albert Schrott der wahre Mörder der drei kleinen Mädchen ist. Seine Charakterisierung beleuchtet seine Herkunft und sein Leben. Daraus ergeben sich Hinweise darauf, dass er schwer geisteskrank war und zu den Morden von Stimmen in seinem Kopf angestiftet wurde. Die Betrachtung seiner Ehefrau, Frau Schrott, die am Sterbebett die Geschichte ihres Ehemanns erzählt. zeigt, dass sie ihm aus egozentrischen Gründen nicht die nötige medizinische Hilfe hat zukommen lassen.

Die Charakterisierungen von Frau Heller und von ihrer Tochter Annemarie verdeutlichen den starken psychischen und körperlichen Verfall der beiden weiblichen Figuren zwischen der Binnen- und der Rahmenhandlung. Zum Schluss wird das Porträt der rabiaten Einwohner von Mägendorf gezeichnet, die aufgrund nur weniger Indizien bereit sind, den verdächtigen Hausierer von Gunten zu lynchen.