Autobiografische Bezüge

Geografische Parallelen

1840 verfasste Fouqué eine Autobiografie mit dem Titel »Lebensgeschichte des Baron Friedrich de La Motte Fouqué. Aufgezeichnet durch ihn selbst«. Im Leben des Autors lassen sich allerhand Parallelen zu seinem Werk »Undine« erkennen. Allem voran ist seine Faszination für das Element Wasser zu nennen, die er seit seiner von ihm als prägend beschriebenen Begegnung mit der Ostsee im Kindesalter entwickelte. Aber auch andere Stationen seiner Kindheit haben den Autor vermutlich zur »Undine« inspiriert. Im von Seen umgebenen Brandenburg geboren, zieht Fouqué anschließend mit der Familie auf das Gut Sacrow nahe Berlin. Dieses lag auf einer von der Havel umfluteten Halbinsel und erinnert stark an die Landzunge der Fischer.

Weitere Analogien zum Undinensee arbeitet der Fouqué-Biograf Arno Schmidt heraus. Demnach habe das Steinhuder Meer mit seinem künstlich angelegten Inselsystem als Vorbild für die Entwicklung der Landspitze zur Insel gedient.  Darüber hinaus geriet Fouqué hier einst bei einer Ruderpartie in einen Sturm, ähnlich wie Pater Heilmann, bevor er bei den Fischern strandete (vgl. S. 36). Nicht zuletzt erinnert das nahe dem Steinhuder Meer gelegene Kloster Mariensee an Heilmanns Heimat, das Kloster Mariengruß (vgl. S. 51).

Darüber hinaus erwähnt Fouqué in seiner Autobiografie ein Waldstück an der sächsisch-preußischen Grenze, das er als Brand’s-Haide bezeichnet. Dort habe es allerhand Diebe und Räuber gegeben, von denen man sich schaurige Geschichten erzählte. Fouqués Familie musste dieses Waldstück mehrfach durchqueren, um zu Freunden nach Halle zu gelangen. Der Ort könnte als Vorlage für den Zauberwald aus der »Undine« gedient haben. Das Diebesgesindel wurde hier analogisch durch die Elementargeister ersetzt.

Fouqué und die Frauen

Die wohl prägnanteste Parallele ist zwischen Undine und Fouqués Angebeteter Elisabeth von Breitenbauch festzustellen. Mit 18 Jahren begegnet der Autor dem damals 15-jährigen Mädchen bei einem Waldfest in Minden. Er ist unmittelbar von ihrer zierlichen, elfenhaften Ausstrahlung hingerissen. In seiner Autobiografie beschreibt Fouqué sie als „Erscheinung einer zarten, erst eben erblühenden Jungfrau edlen Stammes auf unter den grünen Schatten, ihr Geist fein gebildet, vornehm und einfachst natürlich ihr ganzes Benehmen.“

Doch die Liebe des Autors bleibt unerwidert. Obwohl sie an besagtem Abend oft miteinander tanzen, will Elisabeth schon bald nichts mehr von ihrem glühenden Verehrer wissen. Fouqué ist tief getroffen. Die Erinnerung an Elisabeth lässt den Autor fortan nicht mehr los. Als Trotzreaktion auf ihre Abfuhr heiratet er kurz darauf die junge Witwe Marianne von Schubaert. Sie dient ihm später als Vorbild für die Figur der Bertalda. Die Ehe hält nicht lange und bald schon folgt die nächste Heirat.

Auch Fouqués zweite Frau, Caroline von Rochow, trägt ebenfalls Charakterzüge der Bertalda. So ehelichte sie den Autor in erster Linie aus Standesinteressen heraus, da sie als angeheiratete Baronin Beziehungen zu...

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