Huldbrand

Der edle Ritter

Ritter Huldbrand von Ringstetten nimmt von allen Hauptfiguren der Erzählung den höchsten gesellschaftlichen Rang ein. Er hat mehrere Bedienstete unter sich und besitzt eine Burg „an den Quellen der Donau“ (S. 10) in der Nähe einer namentlich unbestimmten Reichsstadt. In jener Stadt nimmt der mutige Huldbrand regelmäßig und mit großem Erfolg an Ritterturnieren teil. Bei der Bevölkerung hat sich der beliebte Ritter bereits einen guten Namen gemacht. Man schätzt ihn „wegen seiner Gewandtheit bei Turnier und Tanz, wie auch wegen seiner milden, freundlichen Sitten“ (S. 53).

Sein Reichtum und seine soziale Stellung spiegeln sich auch im äußeren Erscheinungsbild des Ritters wider: „Ein scharlachroter Mantel hing ihm über sein veilchenblaues, goldgesticktes Wams herab; von dem goldfarbigen Barette wallten rote und veilchenblaue Federn, am goldnen Wehrgehenke blitzte ein ausnehmend schönes und reichverziertes Schwert.“ (S. 8).

Auch unabhängig von seiner imposanten Kleidung und Ausstattung ist Huldbrand ein „hübscher Jüngling“ (S. 25). Sein attraktives Äußeres und der Erfolg bei den Turnieren tragen nicht zuletzt zu seiner Beliebtheit bei den Frauen bei.

Der mutige Frauenheld

In der Reichsstadt fällt dem charismatischen Ritter die schöne Bertalda, die Pflegetochter eines mächtigen Herzogs, ins Auge. Er begleitet sie zum Tanz und wird für einige Tage ihr Geliebter, obwohl die zuweilen hochmütige Art der Jungfrau dem ehrenhaften Huldbrand nicht gefällt.

Als der charmante Ritter seine Geliebte im Scherz um einen ihrer Handschuhe bittet, trägt sie ihm eine Mutprobe auf. Er solle den Handschuh dann erhalten, wenn er ihr eine Nachricht aus dem nahegelegenen geheimnisumwobenen Wald bringe. Der wagemutige Huldbrand lässt sich dies kein zweites Mal sagen und reitet los.

Der unheimliche Wald ist von Elementargeistern bevölkert, denen der tollkühne Ritter nur mit Mühe entkommen kann (vgl. S. 25 ff.). Gerade als er den Rückweg einschlagen will, kommt ihm der Wassergeist Kühleborn (vgl. Charakterisierung Kühleborn) in die Quere und treibt ihn mit weißem Schaum in die entgegengesetzte Richtung.

Liebe auf dem ersten Blick

Der geschlagene Huldbrand landet auf einer abgelegenen Landzunge, auf der eine Fischerhütte steht. Dort lebt die 18-jährige Undine mit ihren Pflegeeltern fernab der Zivilisation (vgl. Charakterisierung Undine). Der erschöpfte Ritter bittet den Fischer um ein Nachtlager, da er den nächtlichen Rückweg für zu gefährlich hält. Trotz seiner wohlhabenden Herkunft fühlt sich der bescheidene Huldbrand in der armen Fischerhütte sogleich zuhause. Auch seinen Gastgebern gegenüber verhält er sich achtsam und höflich.

Alsbald macht die kindlich-freche Tochter des Fischerpaars mit ihren Streichen auf sich aufmerksam. Für den Ritter ist es Liebe auf den ersten Blick: „[Er] ergötzte sich an der holden Gestalt, und wollte sich die lieblichen Züge recht achtsam einprägen […].“ (S. 11). Auch die junge Frau ist von dem „schönen Jünglinge“ fasziniert (vgl. ebd.).

Undines atemberaubende Schönheit, aber auch ihre unbefangene und neugierige Art ziehen den verliebten Ritter in den Bann. Bereitwillig will er auf ihre penetranten Fragen nach seinen Erlebnissen im unheimlichen Wald eingehen, doch der alte Fischer hindert ihn daran. Undine passt das gar nicht und so flieht sie in die Nacht hinaus. Der besorgte Huldbrand eilt ihr nach. Obwohl dem sonst so mutigen Ritter das heraufziehende Unwetter nicht geheuer ist und die Erinnerungen an die Elementargeister zurückkehren, dringt er weiter in Richtung Wald hervor.

Huldbrand befürchtet, dass Undine ertrunken sei, und stürzt sich todesmutig in die Fluten eines anschwellenden Stromes. Zuweilen ist ihm zumute, als sei die schöne Jungfrau nur eine Einbildung seiner Sinne gewesen. Undine aber sitzt leibhaftig und unversehrt auf einer Sandbank. Als die Verliebten sich begegnen, küssen und umarmen sie einander. Undine will aber nicht eher nach Hause zurückkehren, bis der zärtliche Ritter ihr nicht von dem unheimlichen Wald erzählt hat.

Der beschützende Geliebte

Der anständige Huldbrand beginnt, nachdem er die Genehmigung des alten Fischerpaares eingeholt hat, von der Pflegetochter des Herzogs Bertalda und seiner Mutprobe zu berichten. Als die eifersüchtige Undine ihm in die Hand beißt und ihn gleich darauf wehmütig anschmachtet, ist der Ritter verwirrt. Die Rede von Bertalda spielt er sogleich mit der Aussage herunter, dass sie ihm Tag für Tag weniger gefallen habe.

Huldbrand berichtet, wie er den unheimlichen Wald durchquerte und dort allerlei furchterregende Kobolde traf. Unter diesen war auch ein großer weißer Mann, der sich sogleich in einen fließenden Bach verwandelte.  Als der Ritter in die Stadt zurückreiten wollte, begegnete ihm die Erscheinung erneut und trieb ihn schließlich in Richtung Fischerhütte.

Nachdem Huldbrand die ganze Geschichte erzählt hat, bemerkt er, dass die Landspitze, auf welchem sich das Fischerhäusc...

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