Novelle oder Parabel?

Novelle (abgeleitet von der italienischen Diminutivform novella: Neuigkeit) wird von Goethe als eine „unerhörte Begebenheit“ definiert. Dabei werden meistens gesellschaftliche Thematiken behandelt, die literarisch umgesetzt werden. In relativ kurzem Umfang wird in scheinbar neutralem Schreibstil von der Neuigkeit berichtet. Im Laufe der literarischen Entwicklung rückt dabei immer stärker das Schicksal des einzelnen Individuums in den Vordergrund, welches in Konflikt steht mit der Gesellschaft. Auf stilistischer Ebene gibt es in Novellen häufig ein Ding-Symbol, das im Verlauf des Textes immer wieder auftritt. Ein wichtiges Beispiel für eine Novelle ist die Falkennovelle von Giovanni Boccaccio, in der ein kostbarer Jagdfalke zu ebenjenem Symbol wird.

Überträgt man diese Kriterien auf „Die Verwandlung“, dann findet sich die unerhörte Begebenheit oder Neuigkeit darin, dass sich Gregor Samsa über Nacht ohne ersichtliche Ursache in ein Ungeziefer verwandelt hat. Des Weiteren wird zumindest auf den ersten Blick alles von einem neutralen Erzähler beschrieben. Thematiken des Konfliktes zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft werden zum Teil im Vater-Sohn-Konflikt aufgegriffen und bearbeitet. So fühlt sich Gregor Samsa unter dem Druck des Vaters und der Gesellschaft verpflichtet, die Rolle des Versorgers in der Familie zu übernehmen und ihr Überleben zu sichern.

Bezüglich des Ding-Symbols wird es etwas schwieriger. Betrachtet man Gregor Samsa in der Gestalt des Ungeziefers selbst als ebenjenes Symbol, dann besteht die Gefahr, dass die Verwandlung wörtlich genommen werden muss und nicht als Ausdruck des Gefühlszustandes von Gregor Samsa verstanden wird...

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