„Brief an den Vater“

Der Vater-Sohn-Konflikt, der in „Die Verwandlung“ ein zentrales Thema ist, scheint auch in Kafkas eigenem Leben sehr prägnant gewesen zu sein. Die zuvor bereits genannten Aspekte über das problematische Verhältnis zwischen Franz und Herrmann Kafka verdeutlichen dies.

Explizit richtet sich Franz Kafka jedoch in seinem „Brief an den Vater“, den er im Jahr 1919 schreibt (nachdem die „Verwandlung“ bereits veröffentlich wurde), an seinen Vater und schildert seine Gedanken und Gefühle ihm gegenüber. Er betont darin beispielsweise seine Furcht, die er vor Herrmann hat, räumt aber auch seinerseits ein, Fehler gemacht zu haben. So hat sich Kafka, wie er schreibt, nie wirklich bemüht, seinen Vater zu verstehen oder sich auf Dinge einzulassen, die den Vater interessieren. Er schreibt, beide Seiten hätten dazu beigetragen, dass die Situation zwischen ihnen jetzt so sei. So habe auch der Vater nie versucht, sich für Kafkas Interessen zu begeistern. Herrmann Kafka kann beispielsweise mit Literatur nicht viel anfangen, ist demnach auch skeptisch, was Kafkas Autorenschaft angeht.

Ein weiterer Aspekt, den Kafka hervorhebt, ist die Tatsache, dass er von sich aus über sich selbst sagt, ein „schwächlicher, ängstlicher, zögernder, unruhiger Mensch“[1] zu sein, der in seiner Natur dem starken und dominanten Vater nicht gewachsen sei. Auch Gregor Samsa tritt in der Erzählung als Figur auf, der es nicht gelingt, sich gegen den eigenen Vater durchzusetzen. Dabei fühlen sich sowohl Kafka als auch Gregor Samsa trotzdem mit dem Vater verbunden. In seinem Brief formuliert Kafka über seinen Vater: „Du warst ...

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