Charakterisierung Karl

Karls Verbannung nach Amerika

Karl Rossmann ist der Protagonist des Romans. Er ist  15 Jahre alt, teilt aber der Oberköchin im Hotel Occidental mit, im nächsten Monat sechzehn zu werden (vgl. S.138). Karl ist „ein starker Junge“ (S.7), der von der Oberköchin aufgrund seiner Statur als älter eingeschätzt wird, als er tatsächlich ist. Karl  stammt aus Prag - damals zu Böhmen gehörend - und versteht sich als Deutscher.

Da Karl sich auf ein Dienstmädchen eingelassen hat und sie schwanger von ihm geworden ist, wurde er von seinen Eltern „zur Vermeidung der Alimentenzahlung und des Skandals“ (S. 32) nach Amerika 'verstoßen'. Zwar möchten die Eltern, dass er sich regelmäßig bei ihnen meldet, aber ihre Fürsorge ist aus Sicht des Onkels so gering, dass sie ihn sogar „mit unverantwortlich ungenügender Ausrüstung“ (S.32) nach Amerika schicken.

Die Verbannung nach Amerika ist für Karl demnach eine  Strafe der Eltern für ein Vergehen, das er so nicht begangen hat und dessen er sich nicht bewusst ist. Denn nicht er hat das Dienstmädchen verführt,  sondern umgekehrt hat sie ihn gewaltsam zum Beischlaf gezwungen: „Würgend umarmte sie seinen Hals, und während sie ihn bat, sie zu entkleiden, entkleidete sie in Wirklichkeit ihn und legte ihn ihr ins Bett (…) “ (S.33). Karl lässt sich schließlich aus dem Gefühl der „entsetzliche[n] Hilfsbedürftigkeit“ (S.34) auf sie ein, so erinnert er sich.

Wunsch nach Liebe und Anerkennung der Eltern

Trotzdem fühlt sich Karl vor seinen Eltern schuldig und denkt auch in Amerika daran, es ihnen recht machen zu müssen. Er hofft, dass sie ihr Urteil über ihn ändern werden, wenn sie erfahren, wie er sich auf dem Schiff für die Rechte des Heizers einsetzt: „Wenn ihn doch seine Eltern sehen könnten, wie er in fremdem Land vor angesehenen Persönlichkeiten das Gute verfocht (…) Würden sie ihre Meinung über ihn dann revidieren? Ihn zwischen sich niedersetzen und loben? Ihn einmal, einmal in die ihnen so ergebenen Augen sehen?“ (S.27). 

Karl möchte von seinen Eltern anerkannt und geliebt werden, er selbst ist ihnen umgekehrt „ergeben“ (S.106). Er erinnert sich an einen Moment in der Vergangenheit, in dem er die Nähe und die Aufmerksamkeit seiner Mutter gesucht hat: “Er hatte sie zu sich hingezogen, bis er sie an seinem Rücken fühlte, und hatte ihr so lange mit Ausrufen verborgene Erscheinungen gezeigt (…) bis die Mutter ihm den Mund zuhielt  und wahrscheinlich in ihre frühere Unachtsamkeit verfiel“ (S.45).

Karl trägt in Amerika ein einziges Foto bei sich, das ihn zusammen mit seinen E...

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