Stil und Sprache

Der Sprachstil Kafkas ist so besonders wie sein Erzählverfahren. So hat sich in der Forschung für die Benennung seines Stils der Begriff  „kafkaesk“ etabliert, der seinen Stil zu fassen versucht. Kafkas Sprachkunst zeichnet sich dadurch aus, dass sie einerseits klar und pointiert ist, andererseits eine starke Bildhaftigkeit und Vielschichtigkeit aufweist. Es lassen sich die folgenden differenzierteren Merkmale erkennen:

Das Prager Deutsch

Die sachliche, knappe Ausdrucksform des Prager Deutsch ist auch bei Kafka unverkennbar. Es gilt als ein sehr korrektes, dialektfreies Deutsch (siehe Dokument „Epoche“).  Daneben gibt es spezielle Ausdrucksformen des Prager Deutsch, die auch im Roman zu finden sind.

Eine besondere Wendung  findet sich zum Beispiel in der Verwendung des Adverbs „trotzdem“ statt des für uns üblichen „obwohl“. So heißt es über  Karl, als er sich auf dem Schiff befindet: „Leid tat es aber Karl, daß er die Sachen im Koffer noch kaum verwendet hatte, trotzdem er es beispielsweise längst nötig gehabt hätte“ (S.13). Auch verwendet Kafka den Ausdruck „auf einem Wege bin“, der bedeutet, dass jemand gerade einen Auftrag ausführen soll.

Juristische Sprache

Aufgrund seines Jurastudiums  und seiner Arbeit in der „Arbeiter–Unfall –Versicherungsanstalt“ bediente sich Kafka der typischen nüchternen und knappen Sprache des Juristen. Um sich möglichst sachlich und klar ausdrücken zu können, werden von ihm oft kurze Hauptsätze aneinandergereiht. So beinhaltet jeder Satz eine dezidierte Aussage. Kafka setzt dieses Verfahren besonders dann ein, wenn Passagen auftauchen, die an eine Anhörung im Gericht erinnern. Dann wird dem Gesagten, wie bei einer Anklage im Gericht, durch die hinzugefügten Wiederholungen mehr Nachdruck verliehen. Dies ist zum Beispiel der Fall, als der Heizer seine Beschwerde vor dem Kapitän vorträgt. Die Rhetorik des Anklägers ist unverkennbar: „Herr Schubal ist ungerecht! Herr Schubal bevorzugt die Ausländer! Herr Schubal verwies den Heizer aus dem Maschinenraum und ließ ihn Klosette reinigen, was doch gewiss nicht des Heizers Sache war!“ (S.21).

Verbalisierte Sprache

Führt man die Anklage des Heizers gegen Schubal fort, so heißt es: „Herr Schubal verwies den Heizer aus dem Maschinenraum und ließ ihn Klosette reinigen, was doch gewiss nicht des Heizers Sache war! – Einmal wurde sogar die Tüchtigkeit des Herrn Schubal angezweifelt, die eher scheinbar als wirklich vorhanden sein sollte“ (S.21). Zu erkennen ist hier eine weitere sprachliche Besonderheit, die Kafkas Text aufweist. Durch die Wendung „was doch gewiss“ und durch das Adverb „sogar“ scheint es so, als sei die Aussage des Heizers wortwörtlich übernommen worden. Hiermit wird gleichzeitig die Naivität unterstrichen, mit w...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de, erhalten Sie Zugang zu alle E-Books.

Erhalte Zugang für nur 4,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen