Parabel

Die Parabel „Vor dem Gesetz“ ist schon 1915 zu Kafkas Lebzeiten als eigenständige Veröffentlichung erschienen. Im „Prozess“ ist sie in das Kapitel „Im Dom“ integriert. Dort erzählt der Gefängniskaplan K. von dem Türhüter des Gesetzes und dem Mann vom Land, der Einlass in das Gesetz bekommen möchte. Die Parabel bildet das Kernstück für das Verständnis des Romans, denn aus ihr sind direkte Schlüsse auf K.s Situation möglich. Während der Roman die gesellschaftlichen und individuellen Bedingungen veranschaulicht, die zu Josef K.s Untergang führen, wird in der Türhüterlegende der existenzielle Aspekt beleuchtet.

K. trifft im Dom den Gefängniskaplan, der ihm vorwirft, „[er] such[e] zu viel fremde Hilfe“ (S.154). K. weist jede Schuld von sich. Um K. zu demonstrieren, dass er sich im Wesen des Gerichts irre, erzählt der Geistliche ihm die Geschichte vom Türhüter zum Gesetz: „’In dem Gericht täuscht du dich’, sagte der Geistliche, ‚in den einleitenden Schriften zum Gesetz heißt es von dieser Täuschung: Vor dem Gesetz steht ein Türhüter usw.“ (S.155). Danach machen sich K. und der Geistliche daran, die Geschichte zu deuten. Dabei wird offenbar, dass die Interpretation der Parabel bis ins Unendliche verlängert werden kann, da sie nie eindeutig zu verstehen ist. Diese Zirkelbewegung steht in unmittelbarer Beziehung zu den anderen Kreisen im Roman, in denen keine Entwicklung stattfindet (siehe Aufbau).

Die Parabel ist ein Gleichnis. Sie soll erklären, worin sich K. in Bezug auf das Gericht täuscht. Dabei entzieht sie sich aber jeder eindeutigen Interpretation. Die Handlung des gesamten Romans ist hier konzentriert. Die Parabel kommt angesichts der absoluten Zurückgenommenheit der Erzählinstanz, die nie etwas e...

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