Erzählperspektive

Die Handlung im „Prozess“ setzt unvermittelt ein. Der Leser wird direkt in die Handlung hinein geworfen, ohne dass eine Distanzierung zum Geschehen möglich wäre, denn die Erzählperspektive lässt dies nicht zu. Es ist aber nicht eindeutig erkennbar, wer der Erzähler ist. Es besteht lediglich eine Perspektivierung auf K. Aber auch K. selbst erzählt nicht. Diese unmittelbare Konfrontation mit der Handlung setzt sich im gesamten Romangeschehen fort und im ganzen Text tritt nie ein klar identifizierbarer Erzähler auf.

Kafka verwendet eine radikale personale Erzählperspektive. Personale Erzählperspektive bedeutet eigentlich, dass ein Erzähler einen Standpunkt in der Handlung wählt, nur solche Dinge berichtet, die auch den anderen Figuren zugänglich sind, und sich selbst jedes Kommentars enthält. Kafka geht aber weiter. Er legt die Perspektive auf Josef K. fest und bindet den Leser unmittelbar an seine Sicht. Gleichzeitig verzichtet Kafka vollständig darauf, das Geschehen direkt aus K.s Sicht zu erzählen. Der Leser kann nur das wahrnehmen, was Josef K. erlebt, sieht und denkt, ohne dass K. dies selbst schildern würde. Darüber hinaus ist die gesamte Handlung um die Zentralfigur K. herum konstruiert. Es gibt keine Szene, in der K. nicht auftritt. Dadurch ist der Leser gezwungen, sich vollständig auf den Protag...

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