Rezension

Franz Kafkas Erzählung Das Urteil beginnt eigentlich ganz banal:  Der junge Kaufmann Georg Bendemann hält sich zu Hause in seinem Zimmer auf und schreibt einen Brief an seinen nach Russland emigrierten Jugendfreund, den er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat. Wir werden von dem personalen Erzähler in seine Gedanken eingeweiht und können damit besser die Art und Weise seiner Botschaft nachvollziehen.

Im zweiten Teil der Erzählung besucht Georg seinen Vater in dessen Zimmer und im Laufe der Handlung kippt das Realistische ins Fantastische. Nichts ist so, wie es scheint. Der Vater, der kurz zuvor noch schwächlich und kränklich auftritt, ist plötzlich voller Energie und Wut. Er beschimpft, beleidigt und beschuldigt seinen Sohn und zuletzt verurteilt er ihn zum Tode.

Durch das unfassbare Ereignis, dass der Vater das Todesurteil über den Sohn ausspricht und der Sohn dieses Todesurteil durch seinen Suizid vermutlich ausführt, ist die Erzählung grausam und schockierend. Auch die Figur des Freundes erzeugt ein unheimliches Gefühl, denn die Existenz des Freundes wird von dem Vater infrage gestellt. Wir fühlen uns betrogen, da uns der Freund soeben noch als real vorgestellt worden ist.

Die gesamte Erzählung über schwanken wir zwischen Glauben und Misstrauen, Sympathie und Antipathie für die Figuren und zwischen Wissen und Verwirrung.  In dem Moment, in dem wir glauben, die Handlung und die Ereignisse verstanden zu haben, wird durch eine Bemerkung etwas infrage gestellt und unser ganzes Verständnis der…

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