Der Freund als Symbol

Der abstrakte Gegenpol

Georgs Jugendfreund bleibt eine abstrakte Figur, die in der Erzählung nicht persönlich erscheint. Er existiert eigentlich nur in Georgs Gedanken und durch die nicht verifizierten Behauptungen des Vaters. Von Georg erfahren wir, dass der Freund nach Petersburg, also nach Russland, ausgewandert ist, um dort Geschäfte zu…

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Wunschbild und Schreckensbild

Der abstrakte Freund könnte für Georg nun einerseits als Wunschbild gesehen werden. Er würde dann Georgs Verlangen repräsentieren, vor dem bürgerlichen Leben zu fliehen und unabhängig und frei zu leben. Das entfernte Russland würde dabei für dieses Außerhalb der Gesellschaft stehen, vor allem deshalb, weil sich der Freund dort in keinen gesellschaftlichen Kreis hineinbegeben hat: „Wie er erzählte, hatte er keine rechte Verbindung mit der dortigen Kolonie seiner Landsleute, aber auch fast keinen gesellschaftlichen Verkehr mit einheimischen Familien“ (S. 47).

Wichtig ist jedoch die Tatsache, dass der Freund hauptsächlich aus Georgs Projektion besteht. Er überlegt, wie sich der Freund fühlt und was er in versc…

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Der bessere Sohn

Nachdem Georg seinen Brief an seinen Freund verfasst hat, geht er in das Zimmer seines Vaters und berichtet ihm davon, dass er nun doch beschlossen hat, dem Freund in Petersburg von seiner Verlobung zu schreiben: "Du weißt doch, Vater, daß ich ihm meine Verlobung zuerst verschweigen wollte. Aus Rücksichtnahme, aus keinem anderen Grunde sonst. Du weißt selbst, er ist ein schwieriger Mensch“ (S. 53). Damit deutet er an, dass der Vater den Freund gut kennt.

Aber kurze Zeit später bezweifelt der Vater die Existenz des Freundes an. Er fordert Georg dazu auf, endlich die Wahrheit zu sagen und ihn nicht mehr zu täuschen: „Hast du wirklich diesen Freund in Pe…

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Der Freund als Projektion

Betrachtet man den Freund als einen Teil von Georg, so würde das bedeuten, dass Georg seine wirklichen inneren Wünsche unterdrückt hat und deshalb nie wirklich er selbst gewesen ist.  Georg beklagt auch, dass er und der Freund sich distanziert haben (siehe Abschnitt „Die gescheiterte Kommunikation“). Damit könnte er auch die Entfremdung zu sich selbst beschreiben. Denn mit seiner Entscheidung, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, entfernt er sich von dem Teil in sich, der nach Freiheit strebt. Der übermächti…

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Der Freund als Verbindung und Gemeinschaft

Am 11. Februar 1913 schreibt Kafka in seinem Tagebuch: „Der Freund ist die Verbindung zwischen Vater und Sohn, er ist ihre größte Gemeinsamkeit. Allein bei seinem Fenster sitzend[,] wühlt Georg in diesem Gemeinsamen mit Wollust, glaubt den Vater in sich zu haben und hält alles bis auf eine flüchtige traurige Nachdenklichkeit für friedlich.

Die Entwicklung der G…

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