Ehe und Heirat

Heirat als höchstes Ziel

Für den Sohn haben die Ehe und die Gründung einer Familie einen sehr hohen Stellenwert und repräsentieren das Höchste, was ein Mensch im Leben erreichen kann. Zu dieser patriarchischen Vision, nach welcher der Mann „ein Wenig“ leitet, gehören Kinder. Die Heirat scheint für den Sohn einen sicheren Hafen darzustellen, im Vergleich zu der unruhigen zeitgenössischen gesellschaftlichen Zuständen: „Heiraten, eine Familie gründen, alle Kinder, welche kommen, hinnehmen, in dieser unsicheren Welt erhalten und gar noch ein wenig führen, ist meiner Überzeugung nach das Äußerste, das einem Menschen überhaupt gelingen kann“ (S.179).

Der Sohn erklärt in seinem Brief, dass er fürchtet, seinem Vater seine Problematik in Bezug auf seine Heiratsversuche nicht gut genug erklären zu können, „Ich fürchte, weil mir in dieser Gegend alles mißlingt, daß es mir auch nicht gelingen wird, Dir diese Heiratsversuche verständlich zu machen“ (S. 178). Schon beim Ausgangspunkt scheint der unsichere Sohn fast aufgegeben zu haben.

Der Sohn erzählt weiter: „in diesen Versuchen war einerseits alles versammelt, was ich an positiven Kräften zur Verfügung hatte, andererseits sammelten sich hier auch geradezu mit Wut alle negativen Kräfte, die ich als Mitergebnis Deiner Erziehung beschrieben habe, also die Schwäche, der Mangel an Selbstvertrauen, das Schuldbewußtsein, und zogen förmlich eine Kordon zwischen mir und der Heirat“ (S. 178).

Auf einer Seite erwähnt der Sohn seine positiven Kraftanstrengungen zu heiraten, auf der anderen Seite schildert er den negativen Einfluss durch die Erziehung des Vaters, die er zuvor im Brief evoziert hat. Er beschreibt die Ehe und Heirat als die größte Prüfung und auch den größten Misserfolg seines Lebens (S.178).

Der Rat des Vaters

Aufgrund der Tatsache, dass keine gute vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn besteht, scheint es für den Vater nicht möglich, dem Sohn gute Ratschläge in Sachen Heirat und Ehe zu erteilen (S. 180). Den einzigen Vorschlag, den der Sohn, nachdem dieser ihm vorwarf, ihn nicht auf das Liebesleben vorbereitet zu haben, je von seinem Vater bekommt, ist, in ein Bordell oder zu einer Prostituierten zu gehen, um sich auszuprobieren, ohne die betreffende Frau danach heiraten zu müssen.

Der väterliche Rat beschämt und schockiert den Sohn, vor allem deshalb, weil er weiß, dass sein Vater selbst keine Prostituierte aufsucht und seiner Mutter treu ist. Dadurch idealisiert der Sohn den Vater noch mehr. Der Standard, den der Vater damit vorgibt, scheint für den Sohn noch schwieriger zu erreichen zu sein (S.180-182). Der Sohn ist deshalb verletzt, weil er meint, dass der Vater mit seinem Rat unterschwellig nicht zu glauben scheint, dass er so rein wie er selbst sein kann (S.182).

Der Vater wirft ihm später auch vor, als er ihm seine letzte Verlobung bekanntgibt, er würde die Frau lediglich körperlich begehren und würde sie nur schnell heiraten wollen, um Geschlechtsverkehr mit ihr haben zu können. Diese Vorstellung kränkt den Sohn sehr. Mit seiner Haltung stellt der Vater wiederum die Fähigkeit des Sohnes, gute Entscheidungen treffen zu können, infrage (S.183).

Das widersprüchliche Verhalten des Vaters und das Dilemma des Sohnes

Der Sohn beschreibt, dass eine Heirat für ihn die Ablösung vom Va...

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