Der Sohn

Der mächtige Vater

Der Ich-Erzähler aus Kafkas Erzählung ist der erwachsene Sohn, der einen Brief an seinen Vater verfasst. Er ist Junggeselle und hat sein Studium abgeschlossen. Der junge Mann möchte seinem Vater erklären, warum er ihn fürchtet. Er meint, die Ursachen seien zu vielfältig und kompliziert, um sie in einem persönlichen Gespräch vortragen zu können, und deshalb will er ihm lieber einen Brief schreiben.

Vor allem, als der Sohn jung war, hat der Vater sehr viel in seinem eigenen Geschäft als Kaufmann gearbeitet, weshalb er ihn nur selten gesehen hat. Aus diesem Grund haben die spärlichen Momente, die er mit dem Vater verbracht hat, bedeutsame Eindrücke bei ihm hinterlassen. Er hat unter den strengen und autoritären Erziehungsmethoden des dominanten Vaters gelitten, welcher ihn oft grundlos oder maßlos bestraft hat, ihm gedroht hat, aber ihn nur selten tatsächlich geschlagen hat.

Der Sohn hat die Regeln, die sein Vater bestimmte und die er selbst nicht einhielt, nicht immer respektiert, was ihm ein Gefühl der Schuld vermittelt hat (siehe dazu Charakterisierung des Vaters). Um die harten Erziehungsmittel des Vaters und dessen Ablehnung zu verkraften, hat er versucht, Lächerliches an dem Benehmen des Vaters zu finden. Dadurch hatte er das Gefühl, sich an ihm rächen zu können.

Der Sohn hat genetisch mehr von der Familie der Mutter, der Familie Löwy, geerbt, als von der Familie seines Vaters, der Familie Kafka. Er hat daher nicht den „Kafkaschen Lebens-, Geschäfts-, Eroberungswillen“, sondern den „Löwy’schen Stachel, der geheimer, scheuer, in anderer Richtung wirkt und oft überhaupt aussetzt“ (S. 137).

Mutter, Schwester und Freunde

Mutter

Der Sohn beschreibt das Verhältnis zur Mutter als ein liebesvolles, aber trotzdem problematisches: „Es ist wahr, daß die Mutter grenzenlos gut zu mir war, aber alles das stand für mich in Beziehung zu Dir, also in keiner guten Beziehung.“ (S. 153).

Die Mutter verwöhnt ihren Sohn oft, erlaubt ihm heimlich Dinge, die der Vater ihm verbietet, und behandelt ihn gut. Aber da sie in enger Verbindung zum Vater steht und stets zwischen den Kindern und dem Vater vermitteln will, stuft der Sohn sein Verhältnis zu ihr auch als schwierig ein. Der Sohn vermag sich deshalb nicht vom Vater zu lösen und selbstständig zu werden, weil die Mutter ihn durch ihre Güte und ihre Vernunft davon überzeugt, in der Familie zu verbleiben und den Kontakt zum Vater aufrechtzuerhalten.

Die Schwestern

Über sein eigenes Verhältnis zu seiner ältesten Schwester Valli schreibt der Sohn im Brief nicht viel. Nur in einem Satz erwähnt er, dass er und seine anderen Schwestern das gute Verhältnis zwischen Vater und Valli teilweise gestört haben. Dies deutet daraufhin, dass die anderen Kinder möglicherweise die Älteste auf ihre Seite gezogen und versucht haben, sie als Verbündete gegen den Vater zu gewinnen (S. 161).

Das schlechteste Verhältnis hat der Sohn zu seiner zweitältesten Schwester Elli. Er kann sie aufgrund vieler ihrer Eigenschaften nicht leiden. Doch er muss zugeben, dass er deshalb sie so stark ablehnt, weil er in sich die gleichen Eigenschaften erkennt, vor allem ihre Scheu, ihr Schuldbewusstsein ...

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