Frank Wedekind

Kindheit und Jugend

Am 24. Juli 1864 wird Benjamin Franklin Wedekind, der später Frank Wedekind genannt wird, als zweiter Sohn der Sängerin Emilie Wedekind (geb. Kammerer) und des Arztes Dr. Wilhelm Wedekind geboren. Er verbringt seine frühe Kindheit in bürgerlichen Verhältnissen in Hannover. Bereits als Kind schreibt der spätere Dramatiker Gedichte.

1872 zieht die Familie in das Schloss Lenzburg in der Schweiz um, das Wilhelm Wedekind gekauft hat. Der Familienvater hatte zur Zeit des kalifornischen Goldrausches in den USA durch Grundstückspekulationen ein beachtliches Vermögen gemacht. Er hat Probleme mit der Gesellschaftsform des wilhelminischen Kaiserreiches gehabt und ist deswegen mit seiner Familie ausgewandert.

Der junge Frank Wedekind besucht in Aargau das Gymnasium. Hier gründet er einen Dichterverein mit dem Namen „Senatus Poeticus“. Er schreibt seine ersten Werke und schließt die Schule mit der Matura, dem schweizerischen Abitur, ab.

Unangepasster Student

An der Universität Lausanne studiert er zuerst deutsche und französische Literatur, womit der Vater nicht einverstanden ist. Er will, dass sein Sohn Jura studiert. Wedekind beugt sich zunächst dem Willen des Vaters und geht nach München, wo er ein Jurastudium beginnt. Doch Wedekind widmet sich kaum dem Studium, sondern verbringt seine Zeit lieber im Theater und in Cafés. Als der Vater das herausfindet, hört er auf, Wedekind das Studentenleben zu finanzieren. Wedekind findet aber Arbeit bei dem Suppenwürzhersteller Maggi, für den er Werbesprüche verfasst.

Als der Vater verstirbt, bricht Wedekind sein ungeliebtes Studium nach einem Jahr ab. Er benutzt nun seine Erbschaft, um sich einige Jahre lang zu finanzieren, während er sich als Schriftsteller weiterentwickelt. Er lebt in den nächsten Jahren in Zürich, Berlin und München und pflegt Kontakte zu vielen Schriftstellerkollegen. Unter anderem verkehrt er mit Thomas Mann.

1890–1891 entsteht Wedekinds wohl berühmtestes Stück „Frühlings Erwachen“. Es ist eine satirische Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich zur Zeit des Wilhelminismus. Auf Satire setzt Wedekind auch in Zukunft seinen Hauptfokus. In München gründet er 1896 das Satiremagazin „Simplicissimus“. Weil er ein satirisches Gedicht über Kaiser Wilhelm II schreibt, muss er sich 1898 nach Paris absetzen, da ein grober Verstoß gegen das Gesetz vorliegt.

In Paris ist Wedekind ein häufiger Gast im Moulin Rouge und beginnt, an einem Stück zu schreiben, das später zu dem bekannten Drama „Lulu“ wird. Doch nach seiner Rückkehr wird Wedekind trotz der verstrichenen Zeit wegen Majestätsbeleidigung zu einem halben Jahr Haftstrafe verurteilt. Seine Leidenschaft zur Satire bringt den Schriftsteller ins Gefängnis.

Literarischer Durchbruch

Nach seiner Entlassung aus der Haft gründet Wedekind das Kabarett „Die elf Scharfrichter“, wo er gesellschaftskritische Lieder vorträgt und sich selbst dazu auf der Gitarre begleitet. Das Kabarett ist ein gemeinsames Projekt mehrerer Künstler.

Im Jahre 1902 gewinnt Wedekinds schriftstellerisches Schaffen an Popularität. Mehrere deutsche Theater beginnen, Stücke von ihm aufzuführen. Wedekind arbeitet nun auch als Schauspieler und übernimmt Rollen in seinen eigenen Stücken. Er lernt die Schauspielerin Tilly Newes kennen, die in einer Inszenierung die Figur der „Lulu“ verkörpert. Sie ist zwanzig Jahre jünger als Wedekind. Die beiden heiraten 1906. Aus der Ehe gehen zwei Töchter hervor.

In diesem Jahr gelingt Wedekind auch der Durchbruch, als sein Stück „Frühlings Erwachen“ unter der Regie von Max Reinhart in Berlin uraufgeführt wird. Wie auch andere von Wedekinds Stücken wird die Kindertragödie allerdings in einer zensierten Form aufgeführt. Die sexuellen Inhalte in seinen Stücken werden in dieser Zeit als anstößig und als für das Theater unangemessen angesehen. Wedekind wird zwar häufig missverstanden und zensiert, aber er hat zu Lebzeiten eine große Anhängerschaft. Das deutsche Theater spielt 1912 und 1914 sogar zwei Wedekind-Zyklen. Als Folge einer schlecht verlaufenen Blinddarmoperation verstirbt Wedekind am 8. Mai 1918 im Alter von 53 Jahren.

Wichtige Werke

Frühlings Erwachen (Kindertragödie, 1891)

Erdgeist (Tragödie, 1895)

Der Marquis von Keith (Schauspiel, 1901)

König Nicolo oder So ist das Leben (Schauspiel, 1902)

Die Büchse der Pandora (Tragödie, 1904)

Unsere produkte für Frank Wedekind
  • Frühlings Erwachen

    Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ bietet viel interessanten Stoff zum Arbeiten im Deutschunterricht. Unsere tabellarische Übersicht ist das ideale Werkzeug, wenn Du Dich intensiver mit „Frühlings E (…)