Ferdinand von Schirach

Der Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach wird 1964 in München als Sohn des Druckereikaufmanns Robert von Schirach und dessen Ehefrau Elke geboren, wo er die vier ersten seines Lebens verbringt. Er verbringt den Großteil seiner frühen Kindheit in einem großbürgerlichen Haushalt auf dem Wohnsitz seines Urgroßvaters mütterlicherseits in Trossingen, des Unternehmers Franz Kiehn, der in der Nazizeit aktiver Unterstützer der NSDAP und Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“ war. 

Ferdinand von Schirachs Nachname ist stark mit dem Nationalsozialismus verbunden. Sein Großvater, Baldur von Schirach, war ein überzeugter Nazi. 1931 war er Reichsjugendführer der NSDAP und ab 1941 Reichsstatthalter in Wien. Dort veranlasste er die Deportation der Wiener Juden. Er wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit 1946 in Nürnberg zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Großmutter, Henriette von Schirach, eine frühere Sekretärin von Adolf Hitler und eine Freundin von Eva Braun, war eine geschäftstüchtige Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg den gesamten Kunstbesitz und den konfiszierten Wohnsitz der Familie erwerben konnte. Henriettes Vater, Heinrich Hoffmann, war der Leibfotograf Hitlers. 

Nach der Scheidung seiner Eltern besucht der zehnjährige Ferdinand von Schirach bis zum Abitur das bekannte Internat und Jesuiten-Kolleg St. Blasien Gymnasium im Südschwarzwald. Er hat nach der Trennung seiner Eltern kaum noch Kontakt zum Vater, der 1980 Selbstmord begeht. 

Nach dem Abitur absolviert Ferdinand von Schirach seinen Dienst in der Bundeswehr. Er studiert anschließend 1987-1991 Rechtswissenschaften in Bonn. Nach seinem Referendariat in Köln lässt er sich 1994 als Rechtsanwalt in der Hauptstadt nieder und spezialisiert auf Strafrecht. In seiner Karriere verteidigt er sowohl Prominente, politische und industrielle Persönlichkeiten als auch Spione oder Anonyme.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als angesehener Strafverteidiger veröffentlicht der 45-jährige Jurist 2009 erstmal eine Sammlung von elf Kurzgeschichten unter dem Titel »Verbrechen«, die alle auf authentischen Fällen aus seinem anwaltlichen Alltag basieren. Die Geschichten sind selbstverständlich derart verfremdet worden, dass keine Rückschlüsse auf die betroffenen Personen möglich sind. Ein weiterer Erzählband unter dem Titel „Schuld“ erscheint ein Jahr später. Die beiden erfolgreichen Werke machen den Autor schlagartig bekannt.

Seinen ersten Roman „Der Fall Collini“ veröffentlicht der 47- jährige deutsche Dramatiker im Jahre 2011. Sein zweiter Roman „Tabu“ folgt 2013 und 2014 erscheint der Band „Die Würde ist antastbar“- eine Sammlung von Essays, die der Autor für den Spiegel schreibt. Seine Veröffentlichungen erreichen ein Millionenpublikum und werden in viele Sprachen übersetzt. 

Im gleichen Jahr verfasst der Bestsellerautor sein erstes Theaterstück „Terror“, das am 3. Oktober 2015 am Deutschen Theater Berlin und parallel dazu auch am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt wird. Nach der Vorführung des Dramas sollen die Zuschauer über die Schuld der Figur des Kampfpiloten, der einen gekaperten Linienflug mit 164 Insassen abschießt, um 70000 Besucher eines Münchner Stadions zu retten, Stellung nehmen: Schuldig oder nicht schuldig. Das Buhnenstück ist sehr erfolgreich und wird auf zahlreichen deutschen und internationalen Bühnen inszeniert. 

Der produktive und tüchtige Autor veröffentlicht in den nächsten Jahren mehrere Romane, schreibt ein Theaterstück und auch diverse Kurzgeschichten, Reden und Artikel. Viele seiner Werke dienen zur Grundlage zahlreicher TV-Filme, vieler Hörspiele und Hörbücher. Der deutsche Schriftsteller ist mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Über sein Privatleben schweigt der diskrete Anwalt. Er lebt seit Jahren in einer gemieteten Wohnung in Berlin, spricht nicht gern über sich und lieber über seine schriftstellerische Tätigkeit und über gesellschaftspolitische Themen.

 

Ausgewählte Werke

Verbrechen (2009)

Schuld (2010)

Der Fall Collini (2011),

Carl Tohrbergs Weihnachten (2012)

Tabu (2013)

Die Würde ist antastbar (2014)

Terror (2015) 

Strafe (2018)

Kaffee und Zigaretten (2019)

Trotzdem (2020)

Gott (2020)

 

Ausgewählte Auszeichnungen

2010: Kleist-Preis für seinen Erzählband ‚Verbrechen‘

2011: Berliner Bär für Literatur

2015: Bayerischer Fernsehpreis für seine Leistungen als Buchautor der Erzählung und des Films „Volksfest“ (ZDF)

2017: Romy, für Terror – Ihr Urteil

2017: Rose d'Or, für Terror – Ihr Urteil

2018: Ricarda-Huch-Preis

Ferdinand von Schirach
Unsere produkte für Ferdinand von Schirach
  • Terror

    Der deutsche Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach veröffentlicht 2015 sein erstes dreiaktigen Theaterstück „Terror“, das am 3. Oktober 2015 am Deutschen Theater Berlin und auch am Schauspi (…)