Illusion und Tätigkeit

Fausts Blindheit besteht noch immer in der Vorstellung, die Welt in ihrer Ganzheit erfahren und beherrschen zu können. Er kann die Grenzen des Menschseins nicht anerkennen. Diese fixe Idee wird besonders deutlich, als er das Leben von Philemon und Baucis zerstört hat: „Ein Luginsland ist bald errichtet, / Um ins Unendliche zu schaun“ (S.213, Z.11344-1345). Seine eigene Selbsttäuschung wird am Ende auch zu einer äußeren Täuschung aufseiten seiner Umwelt. Anstatt seine Bauanweisungen auszuführen, befiehlt Mephistopheles den Arbeitern, Fausts Grab auszuheben.

Die Szene „Großer Vorhof des Palastes“ nach Fausts Erblindung wird von Mephistopheles eröffnet, der in der Rolle des Aufsehers die Lemuren mit dieser Aufgabe beauftragt. Die Szene veranschaulicht, wie die äußerliche Realität und die subjektive Wahrnehmung von Faust miteinander kollidieren. Bis zu seinem Tod, der ihn in dieser Szene ereilt, glaubt er, er könnte  Großes für die Menschheit vollbringen, einen neuen Raum für ein freies Volk schaffen:  „Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn, / Auf freiem Grund mit freiem Volk stehn“ (S.220, Z.11579-11580).

Fausts Vorstellung ist weit von der Realität entfernt und reicht hinein ins Maßlose. Er möchte „vielen Millionen“ (S.219, Z.11563) neuen Platz schaffen, damit diese „tätig-frei“ (S.219, Z.11564) leben können. Aufgrund seines Reichtums und Besitzes glaubt er, dass er den Menschen ebenfalls zu Wohlstand und Freiheit verhelfen könne. Mithilfe des technischen Fortschritts hat er die Natur b...

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