Blindheit und Sorge

Obwohl Faust zu umfangreichem Privateigentum und großem Reichtum gelangt ist, ist er bis zum Schluss von dem Gefühl getrieben, noch mehr besitzen zu müssen: „So sind am härtesten wir gequält, / Im Reichtum fühlend, was uns noch fehlt.“ (S.210, Z.11251-11252). Doch seine Taten bleiben nicht ohne Konsequenzen. Aus den Rauchschwaden der abgebrannten Hütte von Philemon und Baucis sieht er vier Schatten auf sich zukommen. Als „graues Weib“ (S.214, Regieanweisung) gelangt die Sorge  in seinen Palast. Die drei Schwestern der Sorge, der Mangel, die Schuld und die Not, können nicht in Fausts Palast eindringen. Faust fühlt keine Schuld und leidet auch nicht an Mangel und Not.

Er fühlt, dass sich der Bruder der Sorge, der Tod, seinem Haus genähert hat. Im Angesicht des Todes fühlt Faust seine eigene Sterblichkeit. Er erkennt, dass er ein falsches Leben geführt hat, und möchte sich von dem Bündnis mit Mephistopheles und dem Leben mit der Magie lossagen: „Könnt' ich Magie von meinem Pfad entfernen, / Die Zaubersprüche ganz und gar verlernen, / Stünd' ich, Natur, vor dir ein Mann allein, / Da wär's der Mühe wert, ein Mensch zu sein“ (S.214/215, Z.11404-11407).

Aber seine Einsicht kommt zu spät.

Wen die Sorge umgibt, dem ist auch „alle Welt nichts nütze“, denn „er weiß von allen Schätzen / Sich nicht in Besitz zusetzten“. (S.216, Z.11454-11260). Fausts Streben nach „alle[r] Welt“, sein Anspruch auf den vollkommenen Besitz und Genuss haben ihn letztlich nicht zu einem Gefühl des Glücks verholfen. Faust bekennt sich jetzt dazu, ein Leben voller Genusssucht und Rastlosigkeit geführt zu haben:  „Ich bin nur durch die Welt gerannt; / ein jed' Gelüst ergriff ich...

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