Mephisto

Im „Faust I“ hat es Mephistopheles am Ende geschafft, Faust auf seine Seite zu ziehen. Faust lässt Margarete im Kerker zurück und folgt Mephistopheles Aufforderung „Her zu mir!“ (F I, S. 143, Z. 4613), um sich von ihm nun, wie angekündigt, in die „große Welt“ (F. I, S. 61, Z. 2052) führen zu lassen. Auf ihrem Weg schlüpft Mephistopheles in viele unterschiedliche Rollen.

Mephistopheles als Fausts Begleiter, zynischer Kommentator und Verwandlungskünstler

Wie in „Faust I“ tritt Mephistopheles als Fausts Begleiter auf, der die Geschehnisse teilweise arrangiert, beeinflusst und lenkt. Er kommentiert die Handlung oft ironisch-kritisch und reflektiert damit das Geschehen.

Seine Motivation gründet auch im zweiten Teil auf der mit Faust am Anfang ihres Bündnisses in „Faust I“ geschlossenen Wette. Wenn es Mephistopheles gelingt, Faust für einen Moment vollkommen glücklich zu machen, dann gehört ihm seine Seele für immer. Die abgeschlossene Wette tritt aber deutlich in den Hintergrund und wird erst am Ende wieder thematisiert.

Mephistopheles verhilft Faust zu Eigentum und politischer Macht. Außerdem hilft er ihm, zu Helena zu gelangen. Hilfreich ist ihm dabei, wie schon im ersten Teil, seine Verwandlungsfähigkeit, die er in „Faust II“ noch vielfältiger und facettenreicher einzusetzen weiß. Ebenso weiß er seine Zauberkünste klug und listig anzuwenden, um sein Ziel zu erreichen. Er verschafft sich Zugang zum kaiserlichen Hofe, indem er in die Rolle des Narren schlüpft. Er steigt dort zum Finanzberater des Kaisers auf und verwandelt sich im „Laboratorium“ in einen Universitätsprofessor. Im Maskenzug gestaltet er sich in die Gestalt des Geizes um. Im Krieg wird er Feldherr und Sklavenaufseher.

Mephistopheles - Prinzip des Einwands

Mephistopheles hat sich im ersten Teil der Faust-Tragödie vorgestellt, und zwar als „der Geist, der stets verneint“ (F. I, S. 42, Z. 1338). Diesem Prinzip folgt er auch im zweiten Teil der Tragödie, indem er im spannungsreichen Bezug zu einer bestimmten Figur das Gegenteil verkörpert. Deutlich wird dies etwa während des kaiserlichen Maskenzugs: Faust präsentiert sich als Pluto, der Gott des Reichtums, während Mephistopheles als Abgemagerter ein Sinnbild des Geizes darstellt.

Mephistopheles – Teufel des Nordens, kein Zugang zur klassischen Antike

Als der Kaiser, noch ganz von seinem Reichtum geblendet, sich an dem Bild der Helens und des Paris erfreuen möchte, wird klar, dass Mephistopheles keine uneingeschränkten Möglichkeiten besitzt. Paris und Helena können nur mithilfe des Dreifußes des Apolls auf einer Nebelwand erscheinen. Dieser Dreifuß befindet sich in dem Reich der „Mütter“ (S.50, Z.6216). Mephistopheles hat aber keinen Zugang zu diesem Ursprungsreich, das „kein Ort, noch weniger eine Zeit“ (S.50, Z.6214) hat, und kann deshalb den Auftrag des Kaisers nicht erfüllen. Darum schickt er Faust auf die gefährliche Reise in die heidnische Unterwelt, um Helena und Paris von dort zu holen.

Helena und Paris sind Figuren der griechischen Mythologie und gehören z...

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