Homunculus

Die erste Szene des zweiten Aktes zeigt den schlafenden Faust, der von Mephistopheles in sein Studierzimmer gebracht wurde. Dort treffen sie auf Nikodemus, den Gehilfen Wagners, der sie über Wagners Werdegang und seine neuesten wissenschaftlichen Forschungen unterrichtet.

In der zweiten Szene, die in einem Laboratorium spielt, wird Mephistopheles Zeuge von Wagners Blüte seiner alchemistischen Experimente: Gerade im Moment seines Besuchs entsteht der künstlich geschaffene Mensch - Homunculus.

Mit diesem, so meint Wagner, wird er den „großen Gaben“ des Menschen (S.70, Z.6846) gerecht. Die natürliche körperliche Zeugung des Menschen will Wagner durch einen „höhern Ursprung“ ersetzen (S.71, Z.6847). Denn der Mensch ist nach Wagners Verständnis ein „Denker“, der die Natur bezwingen und sich zukünftig selbst den „Menschenstoff“ (S.71, Z. 6851) nach seinem Belieben komponieren kann. Dabei hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den für ihn unbegreiflichen Zusammenhang zwischen Seele und Körper zu erschaffen.

Homunculus - Der künstliche „Mensch“

Homunculus ist in einer Glasflasche aus chemischen Stoffen erzeugt worden und kann nur in dieser leben. Er ist kein richtiger Mensch, eher ein ,,artig Männlein" (S.71, Z. 6874) ,,in zierlicher Gestalt" (S.71, Z. 6873), aber körperlos. Mit einem Leuchten in der Phiole tritt Homunculus in Erscheinung. Das Sprechen muss Homunculus nicht erst erlernen, er beginnt sofort damit. Gewitzt bezeichnet er Wagner als sein „Väterchen“ (S.72, Z.6879) und möchte ihn „zärtlich an [s]ein Herz“ drücken. Obwohl Homunculus ein künstlich erzeugtes Wesen ist, besitzt er also Gefühl. Doch ein normaler Mensch aus Leib und Seele ist er nicht. Dass er nur in der Abgeschlossenheit der Phiole leben kann, ist Homunculus bewusst. 

Auch die Wesensart des Mephistopheles erkennt er sofort. So nennt er ihn „Schalk“ (S.72, Z.6885), aber auch “Herr Vetter“ (S.72, Z.6885), dem er dafür dankt, im richtigen Augenblick ersch...

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