Szenenanalyse Mitternacht

Das Eindringen der Sorge

Faust hat in seinem Drang nach Landgewinnung das letzte Stück unberührter Natur an sich gerissen und das Haus und das Leben des alten Paares Philemon und Baucis zerstört. Ihre einsam gelegene Hütte hat er in Brand stecken lassen, dessen Rauch er nun von seinem Palast aus aufsteigen sieht.

Die Szene „Mitternacht“ eröffnen „vier graue Weiber“ (S.214, Regieanweisung), die als Schatten aus diesen Rauchschwaden emporsteigen. Sie geben sich selbst als personifizierte Allegorien zu erkennen: als Mangel, Schuld, Sorge und Not. Auch ihr Bruder, der Tod, befindet sich ganz in der Nähe.

Vergeblich versuchen alle vier Weiber, in den Palast von Faust zu gelangen, doch nur die Sorge schafft es. Der Mangel, die Not und die (materielle) Schuld haben in der Welt des mittlerweile zu Reichtum gelangten Faust keinen Platz. Die Sorge ist hingegen nicht an materielles Gut gebunden, sodass sie sich in Fausts Palast einschleichen kann. Faust sieht die Schatten, hört ihre Rede von Not und Tod und ahnt, dass etwas Unheilvolles bevorsteht: „Den Sinn der Rede konnt' ich nicht verstehen. / Es klang so nach, als hieß' es - Not, / Ein düstres Reimwort folgte – Tod“ (S.214, Z.11399-11401).

Im Angesicht der beklemmenden Ahnung von seiner Sterblichkeit überdenkt Faust sein bisheriges Leben. Er erkennt, dass er sich von der Magie hätte lossagen sollen, und wünscht sich, wieder „ein Mensch zu sein“ (S.215, Z.11407), so wie er es war, bevor er sich auf Mephistopheles und seinen „Spuk“ (S.215, Z.11410) eingelassen hat. Doch jetzt meldet sich die Sorge zu Wort und Faust muss sich ihr stellen. Zunächst befiehlt er ihr, sich zu entfernen, doch da sie sich im Palast von Faust „am rechten Ort“ (S.215, Z.11424) weiß, bleibt sie. Das unbeschwerte Lebe...

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