Sprachliche Ausgestaltung

Vielzahl an Formen und Sprachstilen

Goethe hat in „Faust II“ viele künstlerische Formen verwendet, die auch immer einen Verweis auf eine bestimmte Tradition verkörpern. Es lassen sich Sing- und Tanzeinlagen finden, die sich auf das Barocke Theater beziehen. Daneben gibt es aber auch Anlehnungen an die Minnelyrik oder die persische Liebeslyrik.

Auch die Vielzahl der Versmetren stellt einen bewussten Bezug zu einer bestimmen Dichtungstradition her. Wenn Goethe beispielsweise eine für die Antike typische Versart verwendet, so beinhaltet dieser Rückbezug eine bestimmte Funktion und Bedeutung.

Die von Goethe verwendeten Versarten sind so vielfältig, dass die genaue Analyse punktuell vorgenommen werden muss. Stets korrespondieren Form und Inhalt: Das, was auf der Inhaltsebene ausgedrückt werden soll, wird auch durch die verwendete Sprachform vermittelt.

Häufig verwendete Versmetren im „Faust II“

Der für Faust im ersten Teil typische Knittelvers ist im zweiten Teil der Tragödie nur noch selten zu finden. Als im zweiten Akt eine Art Zeitreise zurück in Fausts Welt aus dem ersten Teil erfolgt und sich Mephistopheles mit Faust wieder in dessen Studierzimmer befindet, wird der Knittelvers wieder eingesetzt.

Am häufigsten findet der Madrigalvers Verwendung. Dieser Vers kann sehr variantenreich gestaltet werden, und zwar mit freier Hebungszahl, reimlos oder reimvoll.

Der reimlose, im fünfhebigen Jambus gehaltene Blankvers wird vor allem von Faust verwendet. Es ist ein typisches Versmaß des klassischen deutschen Dramas. Der erhaben und feierlich wirkende Blankvers drückt beispielsweise im dritten Akt Fausts dessen inneres Hochgefühl aus, als er sich mit Helena vermählt.

Der Alexandriner, ein ursprünglich aus den mittelalterlichen Alexander-Epen stammender Vers, galt schon zu Zeiten Goethes als überholt und altmodisch. In der Barockdichtung wurde er wieder als bestimmendes Versmaß aufgegriffen. Der Alexandriner ist ein sechshebiger Jambus, der im Kreuz- oder Paarreim gehalten ist. Die 12 bis 13 Silben langen Verse, die immer eine strenge Zäsur aufweisen, wirken streng, etwas behäbig und schwerfällig.

Freie Rhythmen, erstmals von Klopstock im 18. Jahrhundert verwendet, werden im Faust vor allem dann eingesetzt, wenn es um den Ausdruck des leidenschaftlichen Gefühls geht.

Daneben werden auch Stanzen verwendet. Dies sind Gedichte in Strophenform von je acht Versen, von denen jede Strophe in drei Kreuzreimen und drei Paarreimen gestaltet ist. Sie verleihen dem Gesagten etwas Feierliches, Würdevolles, wie etwa die Huldigung Euphorions nach seinem Tod im dritten Akt durch den Chor.

Der Trochäische Viertakter wurde bevorzugt in Romanzen verwendet, in „Faust II“ zum Beisp...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen