Rezension

Die Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1816 präsentiert einen Ausschnitt aus dem Leben des Studenten Nathanael, der an seinen eigenen Ängsten zerbricht. Der Autor schildert in einfacher und leicht verständlicher Sprache die Entwicklung und das Zugrundegehen des Protagonisten. Die Erzählung ist vor allem durch die omnipräsente Figur des bösen Sandmanns geprägt, der in Gestalt des Advokaten Coppelius und des Händlers Coppola gehäuft auftritt und Nathanael sein gesamtes Leben heimzusuchen scheint. Die in den Briefen von Nathanael geschilderten traumatischen Kindheitserinnerungen an den Tod des Vaters und die Schauermärchen der Amme bilden dabei die Basis für das Verständnis der Erzählung.

E.T.A. Hoffmann eröffnet seine vergleichsweise kurze Erzählung zunächst mit einer Briefkorrespondenz, die die Authentizität und Wahrheit des Erzählten suggeriert. Erst im weiteren Verlauf übernimmt ein Erzähler die lenkende Rolle in der Geschichte und schildert die Gefühle, Gedanken und Handlungen des Protagonisten. Dieser Wechsel in der Erzähltechnik bildet eine Besonderheit der Erzählung und ist für die Literatur der Romantik charakteristisch, in welcher sich die Schriftsteller bewusst gegen die Regelpoetiken der Frühen Neuzeit (Martin Opitz) oder der Aufklärung (Johann Christoph Gottsched) wandten und mit den klassischen literarischen Traditionen brachen.

Hoffmann lässt zu, dass sein Protagonist immer wieder zwischen Verzweiflung und neuer Hoffnung hin- und hergerissen wird, und skizziert mit dem jungen Studenten Nathanael einen Charakter, der sich dadurch auszeichnet, dass er durch seine Ängste und Selbstzweifel besonders menschlich erscheint und für den Leser dadurch zumindest zeitweise ein Identifikationspotenzial bietet. Gleichzeitig wird der Leser vermutlich seiner Verlobten Clara in den meisten Fällen zustimmen, die zwar stets vernünftige Argumente für Nathanaels Alpträume liefert, ihm aber am Ende nicht helfen kann.

Letztlich geht die Faszination vor allem davon aus, dass durch die Erzählweise und verwendeten Motive nie völlig das Geheimnis gelüftet wird, ob alles nur in Nathanaels Einbildung existierte oder ob er wirklich von einer unheilvollen Macht verfolgt wurde. E.T.A. Hoffmann verunsichert den Leser durch diese Unklarheit und hält dadurch die Spannung in der Erzählung aufrecht. Auch nach...

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