Ödipuskomplex

Definition Ödipuskomplex

Hinter dem Begriff ‚Ödipuskomplex‘ oder ‚Ödipuskonflikt‘ verbirgt sich ein von Sigmund Freud begründetes psychoanalytisches Konzept. Es hat zum Inhalt, dass das Kind während der phallischen Phase sein sexuelles Begehren unbewusst auf den gegengeschlechtlichen Elternteil ausrichtet. Diesen möchte es ganz und gar für sich in Besitz nehmen. Im Zuge dessen wird der gleichgeschlechtliche Elternteil als Rivale wahrgenommen. Ihm gegenüber empfindet das Kind Hass, Eifersucht und hegt Tötungsabsichten.

Derartige Fantasien lösen Schuld- und Schamgefühle gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil aus. Jungen ängstigen sich davor, durch den Vater mit dem Verlust ihres Penis für ihre Fantasien bestraft zu werden (Kastrationsangst). Unter dem Druck der Angst vor dem Vater gibt der Junge schließlich sein sexuelles Begehren gegenüber der Mutter auf. Stattdessen beginnt er, sich mit dem Vater zu identifizieren und diesen als Vorbild zu betrachten.

Mädchen hingegen entwickeln in der prägenitalen Phase zunächst ein Begehren gegenüber der Mutter. Wenn sie dann in der phallischen Phase dazu in der Lage sind, den anatomischen Unterschied der Geschlechter zu erkennen, glauben sie, durch die Mutter kastriert worden zu sein (Penisneid). Die Kastrationsfantasie bewirkt, dass die Mutter abgelehnt und der Vater begehrt wird. Die spätere Aufgabe des Inzestwunsches sowie die Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil erfolgen bei Mädchen ebenso wie bei Jungen.

Bei der Namensgebung zum Ödipuskomplex griff Freud auf eine Gestalt der griechischen Mythologie namens Ödipus zurück. Dieser tötet seinen Vater Laios, ohne um die Verwandtschaft zu wissen, und erhält später dessen Witwe Iokaste zur Ehefrau. Auch weiß Ödipus nicht, dass es sich dabei um seine Mutter handelt. Sophokles hat den Mythos für sein Drama »König Ödipus« (ca. 429-425 v. Chr.) adaptiert. Darin kommt es zu einem tragischen Ende, nachdem die Wahrheit über den Inzest herauskommt: Als ...

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