Narzissmus

(Alltags-)Psychologische Definition

In der Alltagspsychologie und Umgangssprache wird mit dem Begriff Narzissmus eine starke Ich-Bezogenheit bezeichnet, die bis hin zur Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung geht. Narzissten gelten als hochgradig egoistisch und egozentrisch. Sie glauben, dass sie das Zentrum allen Geschehens bilden, und messen alle äußeren Vorgänge an ihrer eigenen Perspektive.

Überdies wird Narzissten eine mangelnde Rücksichtnahme auf andere Personen zugunsten der eigenen Interessen nachgesagt. In diesem Sinne beschreibt Narzissmus die Divergenz zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung. Die Betroffenen überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und immunisieren sich gegen Kritik von außen. In der Regel sind sie mit sich und der Welt im Reinen und bewerten im Gegensatz zu ihrem Umfeld ihren eigenen Narzissmus als durchaus positiv.

In der Psychoanalyse wird der Terminus differenzierter verwendet. Freud unterscheidet zwischen dem primären und dem sekundären Narzissmus. Die primäre Ausprägung gehöre demnach zu einer notwendigen und normalen Entwicklungsstufe des Menschen, in der das Kind noch nicht zwischen sich selbst und der Mutter unterscheiden könne und die sexuelle Energie daher gegen sich selbst richte.

Der sekundäre Narzissmus trete hingegen im Erwachsenenalter auf, nachdem die Verschmelzung von Subjekt und Objekt überwunden wurde. Auch hier richte der Betroffene die eigene Libido gegen sich selbst, zumeist deshalb, um eine enttäuschte Liebe oder vergleichbare Selbstwertkränkung zu verarbeiten. Freud lieferte verschiedene z.T. widersprüchliche Einschätzungen darüber, ob der sekundäre Narzissmus pathologisch, also krankhaft, ist.

Die moderne Psychologie unterscheidet grundsätzlich zwischen einem gesunden Narzissmus (notwendiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung, gesundes Selbstbewusstsein) und narzisstischen Fehlentwicklungen. Zu Letzteren gehört auch die nach ICD und DSM klassifizierte narzisstische Persönlichkeitsstörung. Deren Ursachen werden u.a. in einem mangelnden Selbstwertgefühl sowie in mangelnder emotionaler Aufmerksamkeit durch die Eltern während der Kindheit gesehen. Um die Entbehrungen zu kompensieren, fordern die Betroffenen ihre vermehrte Anerkennung durch ihr Umfeld ein. Überdies können sie zwischen extremen Gefühlen der Scham einerseits und der Hybris andererseits hin- und hergerissen sein.

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind durch einen Mangel an Empathie und an Fähigkeit zu tiefen emotionalen Bindu...

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