Rezeption, Kritik und Adaption

19. Jahrhundert

Im Gegensatz zu den »Fantasiestücken in Callot’s Manier« (1814ff.), die Hoffmann berühmt gemacht haben, stießen die »Nachtstücke« auf eine nur mäßige Resonanz. Einen Verriss gab die »Allgemeine Literatur-Zeitung« im Juli 1817 heraus. Der Kritiker hinterfragte den Sinn der Erzählung, bezeichnete sie als „schauderhaftes Nachtstück“ und „geisterhaften Spuk“. Positiv hingegen war eine Rezension des »Oppositionsblatts oder [der] Weimarischen Zeitung« (Nr. 134, 7.6.1817), welche die raffinierte und spannende Erzählweise des Textes lobte.

Kurz nach Hoffmanns Tod veröffentlichte der Literaturkritiker Konrad Schwenk eine Rezension über die »Nachtstücke«, die 1823 in »Hermes oder kritisches Jahrbuch der Literatur« erschien. Schwenk versah alle im Zyklus enthaltenen Erzählungen mit einer vernichtenden Kritik. Am »Sandmann« bemängelte er unter anderem die Liebe Nathanaels zu Olimpia, die er als unmotiviert und lächerlich bezeichnet. Doch es gab auch positive Reaktionen auf die Automatenpuppe. Der Schriftsteller Johann Heinrich Voß etwa lobte Olimpia als Inbegriff des Unheimlichen. Überdies pries er Hoffmanns Novelle als sinnvollste Anschauung vom Märchen des Sandmanns.

Besonders interessant ist die Reaktion des Dichters Friedrich de la Motte Fouqué, der eng mit Hoffmann befreundet war. Fouqué hatte zunächst Schwierigkeiten mit der Erzählweise des »Sandmanns« und missverstand die Novelle. Dann aber erkannte er Ähnlichkeiten zwischen sich und Nathanael und interpretierte die Erzählung als Karikatur seiner selbst. Inwiefern dies zutrifft, ist jedoch nicht belegt.

Von entscheidender Bedeutung für die deutsche Rezeption Hoffmanns waren die negativen Urteile der Kollegen Tieck (1773-1853) und Goethe (1749 – 1832) sowie des schottischen Romanciers Walter Scott (1771-1832), die Hoffmann als psychopathischen Gruselautor wahrnahmen und charakterisierten. Goethes Übersetzung eines umfangreichen Artikels von Scott mit dem Titel »On the Supernatural in Ficticious Composition; and Particulary on the Works of Ernest Theodore William Hoffman« (1827) übte eine verheerende Kritik an den »Nachtstücken«.

Goethe konzentrierte sich ausschließlich auf die negativen Anteile der Besprechung, vor allem was den »Sandmann« betraf. Sein Auszug liest sich als vernichtender Bann, weswegen die »Nachtstücke« auch bei der Wiederentdeckung Hoffmanns am Ende des 19. Jahrhunderts meist unbeachtet blieben. Allein »Der Sandmann« konnte sich trotz negativer Stimmen behaupten und gehört zu den wenigen Erzählungen der Romantik, die eine nachhaltige Wirkung entfaltet haben.

Anders als in Deutschland prägte Scotts Aufsatz das Bild Hoffmanns in England, Russland und vor allem in Frankreich auf positive Weise. In Übersetzungen wurde Hoffmann zum vielgelesenen Autor und prägte nachkommende Autoren, wie Alexander Puschkin (1799-1837), Nikolai Gogol (1809-1852), Fjodor Dostojewski (1821-1881)l Honoré de Balzac (1799-1850), Charles Baudelaire (1821-1867), Guy de Maupassant (1850-1893), Edgar Allen Poe (1809-1849) oder Oscar Wilde (1854-1900).

Psychoanalytische Rezepti

...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen