Merkmale des Kunstmärchens im Werk

Das romantische Kunstmärchen

Die Gattung der Kunstmärchen erlebte in der Epoche der Romantik seinen Höhepunkt. Die Brüder Grimm veröffentlichten zwischen 1812 und 1815 ihre Kinder-und Hausmärchen und bieten ein gutes Beispiel für das Interesse der Goethezeit an deutsch-nationaler Volkskunst und -tradition (in Ermangelung der deutschen politischen Einheit) und für die Faszination der Romantiker am Übersinnlichen und Unerklärbaren. Dies Interesse steht im völligen Gegensatz zur literarischen Tradition nach Aristoteles, der die Wirklichkeit als eine Bedingung zum Verfassen von Literatur postulierte.

Die Kunstmärchen der Frühromantik sind entweder symbolisch-allegorisierend (Novalis) oder psychologisierend (Ludwig Tieck) ausgerichtet. Sie inszenieren eine wunderbare Wahrheit hinter den Erscheinungen der objektiv wahrnehmbaren Welt und suchen nach den Übergängen vom Realen zum Irrealen. Das Kunstmärchen wird dabei oft auch zum Mittel erzählerischer Gesellschaftskritik und einer aufklärungskritischen Debatte. Hoffmanns Der goldene Topf (1814) ist ein Hauptvertreter dieser Gattung.

Der „Sandmann“ kann im Großen und Ganzen nicht als Kunstmärchen bewertet werden, aber dennoch finden sich verschiedene Charakteristika und Anspielungen an das romantische Kunstmärchen in der Erzählung, die zugleich auch diskutiert und kritisiert werden.

Der Erzähler verwirft auch die Gattungskonventionen des Märchens im Text für Nathanaels Geschichte als nicht passend. Als Teil der romantischen Ironie diskutiert er verschiedene Möglichkeiten, die Geschichte Nathanaels zu erzählen, so auch das Märchen: „‘Es war einmal‘ – der schönste Anfang jeder Erzählung, zu nüchte...

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