Merkmale des Biedermeiers im Werk

Die Epoche des Biedermeiers

In der Periode vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis in die 1840er Jahre hinein (bürgerliche Revolution) fühlte sich das Bürgertum aufgrund der antidemokratischen Politik in seinen politischen Einflussmöglichkeiten beschränkt. Aus Resignation und Politikverdrossenheit zogen sich die Menschen mehr und mehr ins Private zurück. Die Flucht ins häusliche Idyll und der damit verbundene Lebensstil des Bürgertums werden mit dem Begriff des Biedermeier umrissen (siehe auch dazu Literaturepochen „Biedermeier“).

Typisch für die Zeit des Biedermeier ist die Pflege häuslicher Tätigkeiten, die Gemütlichkeit und Geselligkeit verbreiten. Die Gemeinschaft der Familie sowie auch die Gastfreundschaft standen hoch im Kurs. Man pflegte gemeinsame Mahlzeiten, gab Soupers, Kaffeekränzchen oder Bälle, machte Hausmusik, unternahm Wanderungen und Spaziergänge. Während sich die Frauen der Handarbeit, dem Lesen von leichter Unterhaltungsliteratur oder dem Klavierspielen widmeten, saßen die Männer Pfeife rauchend im Lehnstuhl und studierten die Zeitung (vgl. Kapitel „Interpretation“, Abschnitt „Frauenbild“). Nicht zuletzt wurden diesem spießbürgerlichen Lebensstil entsprechende Tugenden, wie Fleiß, Ehrlichkeit, Ordentlichkeit und Pflichtbewusstsein, abverlangt, u.a. inspiriert durch den 1788 erschienenen und bis heute bekannten „Knigge“.

Die Doppelbödigkeit des bürgerlichen Idylls

Im »Sandmann« streicht Hoffmann die Engstirnigkeit und Doppelmoral des Bürgertums heraus und entlarvt die heimelige Atmosphäre als scheinheiliges Ideal. Nathanaels Beschreibung der eigenen Kindheit erinnert stark an das biedermeierliche Familienidyll: „Nach dem Abendessen, das alter Sitte gemäß schon um sieben Uhr aufgetragen wurde, gingen wir alle […] in des Vaters Arbeitszimmer und setzten uns u...

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