Clara

Die vernünftige Clara

Nachdem ihre Eltern, entfernte Verwandte von Nathanaels Familie, verstorben sind, wachsen Clara und ihr Bruder Lothar als Waisenkinder in dem Haus von Nathanaels Mutter, die schon verwitwet ist, auf. Clara und Nathanael verlieben sich später ineinander: Sie „faßten eine heftige Zuneigung zueinander, wogegen kein Mensch auf Erden etwas einzuwenden hatte; sie waren daher Verlobte, als Nathanael den Ort verließ[,] um seine Studien in G. – fortzusetzen.“ (S. 19). Sie ist nun eine junge Frau und lebt mit ihrem Bruder Lothar in dem Haus von Nathanaels Mutter.

In den Augen von Nathanael hat Clara ein „ruhiges, weiblich besonnenes Gemüt“ (S. 12) und „helle[n], holde[n], lächelnde Kinderaugen“ (S. 16). Wie ihr Name schon andeutet, (Clara: (lat.) ›die Klare, Vernünftige‹ / siehe mehr Analyse dazu bei „Die sprechenden Namen“) kann Clara als das vernünftige und beständige Gegenstück zu dem romantischen und instabilen Nathanael gesehen werden.

Für den Erzähler, der besonders von ihr angetan zu sein scheint, ist sie nicht im traditionellen Sinn schön, sondern zeichnet sich vor allem durch ihr Auftreten und ihren Charakter aus. Sie ist fantasievoll, aber gleichzeitig sehr intelligent und vernünftig: „Clara hatte die lebenskräftige Fantasie des heitern unbefangenen, kindischen Kindes, ein tiefes weiblich zartes Gemüt, einen gar hellen scharf sichtenden Verstand“ (S. 20).

Clara wird zunächst ausführlich äußerlich mit Verweisen auf die Renaissancemalerei beschrieben, und zwar mit starkem Fokus darauf, wie sie auf Männer wirkt: Durchaus reizvoll, aber nicht wunderschön, und vor allem sehr sachlich, rational und nüchtern, was für den männlichen Betrachter ihre erotischen Reize mindert (und den Kontrast zur Beschreibung und Wirkung Olimpias später im Text unterstreicht).

Clara tritt rational, kritisch, aufmerksam und charakterfest auf und scheut sich nicht, ihre Meinung kundzutun. Sie wird jedoch „von vielen kalt, gefühllos, prosaisch gescholten“ (S. 21). Den Menschen, die sie nicht kennen, erscheint Clara kühl und reserviert. Familie und Freunden gegenüber tritt sie dagegen herzlich und offen auf; sie bezaubert die Menschen, die sie kennt, mit ihrer freundlichen Art und wird dafür von Nahestehenden sehr geschätzt (S. 21).

Claras Brief

Aus Claras Brief zu Nathanael geht es hervor, dass sie ein enges Verhältnis mit ihrem Bruder Lothar hat, nachdem beide „recht über die Materie von dunklen Mächten und Gewalten ausgesprochen haben“ (S. 15). Auch ihre Gefühle kann Clara klar ausdrücken: „Deines Briefes Anfang mich tief erschütterte. Ich konnte kaum atmen, es flimmerte mir vor den Augen.“ (S. 13).

Die junge Frau schreibt gleichzeitig sehr lieb an ihrem herzlieben Nathanael, aber kann auch ihre Meinung klar ausdrücken: „Geradeheraus will ich es Dir nur gestehen, daß, wie ich meine, alles Entsetzliche und Schreckliche, wovon Du sprichst, nur in Deinem Innern vorging, die wahre wirkliche Außenwelt aber daran wohl wenig teilhatte.“ (S. 13). Sie vertritt die Auffassung, dass Coppelius‘ Grausamkeiten nur in Nathanaels Vorstellungskraft existieren würden und nicht real seien.

Nathanael habe als Kind die Schauermärchen über den Sandmann auf die unsympathische Figur des Copp...

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