Automat

Der künstliche Mensch

Das Motiv vom künstlich erzeugten Menschen reicht bis in die Antike zurück.  Der berühmte Baumeister, Künstler und Erfinder Daidalos beispielsweise, eine Gestalt aus der griechischen Mythologie, erschuf bewegliche Statuen, die für lebensecht gehalten wurden. Der römische Dichter Ovid erzählt in seinen »Metamorphosen« vom Bildhauer Pygmalion, der sich in seine eigens geschaffene Statue verliebt sowie von den aus Lehm und Wasser geformten Menschen des Titanen Prometheus. Erste Umsetzungen der mythologischen Vorbilder gab es bereits im 3. Jh. v. Chr. in der alexandrinischen Mechanikerschule, in der man hydraulische Automaten entwickelte.

Das Zeitalter der Aufklärung war vom Glauben an den technischen Fortschritt gekennzeichnet. Der französische Arzt Julien Offray de la Mettrie vertrat die Auffassung, dass der Mensch seinem Wesen nach eine Maschine sei. In seiner philosophischen Schrift »L’Homme machine« (1748) verglich er das Räderwerk einer Automatenpuppe mit der ‚Mechanik‘ des menschlichen Körpers und entwickelte die Vision eines künstlichen Menschen.

Das 18. Jahrhundert war die Hochzeit der Automaten und das Interesse der Öffentlichkeit an Automaten war riesig. Mitte des 18. Jahrhunderts kamen sprechende, singende, musizierende und tanzende Holzfiguren auf den Markt. Sie wurden auf Jahrmärkten präsentiert und übten eine große Faszination auf ihre Betrachter aus.

Zu den berühmtesten Puppen gehörten der „Flötenspieler“ von Vaucanson, der „schachspielende Türke“ von Wolfgang von Kempelen oder die Musikautomaten der Gebrüder Kaufmann. Letztere kannte auch E.T.A. Hoffmann. Es ist bekannt, dass er 1813 einen Trompeter und einen Klavierspieler der Instrumentenbauer in Augenschein nahm. Bereits 1801 hatte Hoffmann die ersten Automaten gesehen und war überdies mit den Debatten um mögliche Betrugsfälle vertraut. Seinen Tagebüchern ist zu entnehmen, dass er sogar selbst einen Automaten konstruieren wollte.

Ende des 18. Jahrhunderts mischte sich unter die Bewunderung für die virtuosen Automatenfiguren eine zunehmende Skepsis. Vor allem die Kirchen sahen in der Scheinlebendigkeit eine Profanisierung des menschlichen Lebens und der göttlichen Schöpfung.  Auch die Literatur griff die Schattenseiten des Faszinosums vom Androiden auf, so etwa Goethe, Jean Paul oder Keyser (vgl. Kapitel „Epoche“, Abschnitt „Quellen / Literarische Einflüsse – Der künstliche Mensch“).

Der Traum vom künstlichen Menschen war zu Hoffmanns Zeiten nicht nur in der Mechanik, sondern auch in der Alchemie zuhause. Die Herstellung eines Androiden ist in dieser jedoch weniger materiell, sondern vielmehr philosophisch zu verstehen. Demnach stellten die Alchemisten eine allegorische Verbindung zwischen der Chemie und dem Menschen her. Chemische Elemente wurden beispielsweise als Mann und Frau personifiziert und deren chemische Verbindung mit der Bildung von Hermaphroditen verglichen. Bereits d...

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