Erzähler und Erzählperspektive

Figurenbericht und Erzählerbericht

Der gesamte Aufbau der Erzählung ist im Wesentlichen das Werk des auktorialen Erzählers, der selbst in Erscheinung tritt und sich als Autor zu erkennen gibt. Als solcher verfügt er sowohl über das innere als auch über das äußere Geschehen und kann daher zwischen den Erzählperspektiven wechseln (s.u.).

Der Erzähler bestimmt die Reihenfolge und Struktur des Textes und spricht sogar über diese Arbeit. Aus eigenem Ermessen heraus beginnt der Erzähler nicht mit einer herkömmlichen Narration, sondern mit schriftlichen Figurenäußerungen in Form von Briefen. Diese montiert er kommentarlos hintereinander und stellt sie der eigentlichen Narration voran. Die Briefe umfassen ca. 40% des gesamten Textes.

Hierarchisch gesehen, ist die wörtliche Rede der Figuren dem eigentlichen Erzähltext untergeordnet und wird gewöhnlich in diesen eingebunden. Die Voranstellung der Briefe wirkt daher ungewöhnlich und befremdlich. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwiefern die Briefe einer klassischen Exposition entsprechen. Zwar liefern sie wichtige Hinweise zu der Vorgeschichte und den Hauptfiguren, bleiben aber in der Sichtweise Nathanaels und Claras verankert (siehe dazu Abschnitt „Aufbau“).

Analysiert man den Aufbau unter erzähltechnischen Gesichtspunkten, so lassen sich eine Figurenerzählung (die Figuren berichten vom Geschehen) und eine Matrixerzählung (Erzähler berichtet vom Geschehen) unterscheiden. Der Figurenbericht findet sich in den drei vorangestellten Briefen Nathanaels und Claras wieder. Der Erzählerbericht ist dem übrigen Teil zuzuordnen.

Der Erzähler selbst behauptet, sich beim Verfassen des Werkes gegen eine der üblichen Einleitungen entschieden zu haben: „Ich beschloss,[…] gar nicht anzufangen. Nimm, geneigter Leser! Die drei Briefe, welche Freund Lothar mir günstigt mitteilte […].“ (S. 19). Die Mitteilung durch seinen Freund Lothar soll den authentischen Charakter der Briefe suggerieren. Demnach wäre der Erzähler lediglich der Herausgeber, nicht jedoch der Verfasser der Briefe. Das Wort „mittei...

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