Vergleich Film – Novelle

Die Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ von E. T. A. Hoffmann wurde im Jahre 1955 verfilmt. Der Schwarz-Weiß-Film war eine Koproduktion der DDR und Schweden und wurde in deutscher Sprache produziert. Das deutsche Filmunternehmen war dementsprechend die DEFA (Deutsche Film AG).

Die Grundhandlung des Films ist an der literarischen Vorlage orientiert, jedoch gibt es zahlreiche Abweichungen, insbesondere in Bezug auf die Figuren, welche die Essenz des Filmes sind. Alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, doch es sollen im Folgenden einige Beispiele gegeben werden:

Der Film steigt ein bei der Fahndung nach den Juwelendieben. Ein Erzähler gibt ein paar einleitende Worte, er tritt jedoch im weiteren Verlauf des Films nicht mehr auf. Die Handlung ist, im Gegensatz zur Novelle, chronologisch aufgebaut. Rückblenden gibt es nicht. 

Film: Veränderungen in der Handlung

Die Novelle beginnt mit der Nacht, in welcher ein verzweifelter Olivier in das Haus der Scuderi eindringt und die völlig verängstigte Kammerfrau beschwört, dem Fräulein das Schmuckkästchen zu überreichen. Diese Szene kommt im Film nicht vor. Olivier bringt das Kästchen zu Scuderis Haus, er stellt es im Fenster ab, wo Baptiste es findet, und verschwindet. Als er das Fräulein dann vor Cardillac warnen will, geht der Film-Olivier viel weniger mystisch vor als in der Novelle: Statt ihr einen Zettel zuzuwerfen, spricht er sie persönlich an, bevor die Polizei ihn von der Kutsche wegzieht.
Olivier ist im Film auch nicht der Sohn der Pflegetochter Scuderis, Anne, sondern der Sohn einer ihrer ehemaligen Dienerinnen namens Annette. Dies erfährt das Fräulein von Scuderi im Film bereits von Madelon, nicht erst von Olivier, wie in der Novelle.

Am größten ist wohl der Unterschied zwischen der Vorgeschichte Cardillacs in Buch und Film. In der Novelle ermordet Cardillac die Liebhaber mit den Schmuckgeschenken, weil er seine eigens gefertigten Stücke wieder zurückhaben will. Er ist besessen von Schmuck, Stimmen treiben ihn zu seinem mörderischen Handeln. Dieser Trieb sei ihm angeboren, behauptet er.
Im Film dagegen mordet Cardillac, weil er Rache verüben will. Als er vier Jahre alt war, wurde seine Mutter von einem Kavalier durch Schmuck dazu verführt, Cardillacs Vater fremdzugehen. Als der Vater sich am nächsten Tag auf den Kavalier stürzt, bringt dieser den Vater vor den Augen des Kindes um. Cardillac hat seit damals einen Hass auf Kavaliere, die Schmuck benutzen, um Frauen zu verführen.

Film: Neue Figuren

Die Figur Sainte Croix ist in der Novelle ein Giftmörder, der zusammen mit seiner Geliebten Brinvillier viele Menschen in Paris ermordet. In der Verfilmung ist Saint Croix der Name einer Dame, an der der Graf von Miossens sehr interessiert ist. Saint Croix, die Geliebte, hat viele Auftritte im Film, während die Geliebte des Grafen von Miossens in der Novelle gar nicht auftritt und auch einen anderen Namen trägt. Dafür fällt im Film die gesamte Geschichte über die Giftmorde weg. Dass Giftmorde in Paris umgehen, wird zwar erwähnt – eben von Saint Croix...

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