Macht und Absolutismus

Die Chambre ardente ist der vom König ernannte Sondergerichtshof, der im Kampf gegen die Giftmörder und Juwelenräuber in der Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ effektive Mittel einsetzen soll. Ein tüchtiger Polizist arbeitet hier, Desgrais. Durch diese Figur wird deutlich, dass die Darstellung des Rechtssystems in der Novelle keine Schwarz-Weiß-Malerei ist. Es wird gezeigt, dass auch anständige Menschen in diesem Bereich arbeiten. Doch Desgrais ist nicht so mächtig wie la Regnie, unter dessen Führung die „furchtbare“ Chambre ardente auch Unschuldige verfolgt, verurteilt und häufig auf dem Greveplatz hinrichten lässt (S. 39). Die Ermittlungen zu den Fällen sind nicht zuverlässig, wie man an dem Fall Olivier Brusson sehen kann.

„Seid menschlich“, fordert das erschöpfte Fräulein von Scuderi den Präsidenten der Chambre ardente auf, um ihn davon abzuhalten, Olivier zu foltern (S. 39). La Regnie ist die Personifizierung eines ungerechten, willkürlichen und brutalen Rechtssystems. Was ihn antreibt, ist „blinder Eifer“ (S. 12). Ohne Rücksicht auf die Meinung des Volkes geht la Regnie gegen die Verdächtigten vor. An seiner boshaften Selbstzufriedenheit ist zu erkennen, dass er seine Machtposition sehr genießt:
„Ein feines, beinahe hämisches Lächeln war indessen alles, womit er bewies, dass die Beteurungen (sic), die von häufigen Tränen begleiteten Ermahnungen, wie jeder Richter nicht der Feind des Angeklagten sein, sondern auch auf alles achte...

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