Genie und Wahnsinn

René Cardillac ist in der Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ der Mörder, der nachts auf die Straßen geht, um seine Kunden zu überfallen und die Juwelen wieder zurückzuerlangen, die er für sie angefertigt hat. Er stirbt bei einem seiner Raubüberfälle, als der Graf von Miossens schneller reagiert als Cardillac und ihn ersticht.

Zur Zeit der Romantik war die Psychiatrie und Psychologie noch eher in den Anfängen, weshalb sich auch viele Künstler dafür interessierten. René Cardillac wird in der Novelle nie direkt als psychisch krank bezeichnet. Seine in der Novelle beschriebenen Verhaltensweisen lassen jedoch Rückschlüsse auf unterschiedliche psychische Erkrankungen zu.

Es entsteht im Allgemeinen der Eindruck, dass Cardillac nicht freiwillig ein kaltblütiger Mörder ist, sondern durch seine Störungen zum Töten getrieben wird. Er fühlt sogar Mitleid für seine Opfer und lehnt deswegen manchmal Aufträge ab, wenn ihm klar wird, „dass am morgenden Tage Blut“ sein „Gespenst verbannen wird“ (S. 58). Doch laut Cardillac ist „kein Widerstand (…) möglich“, wenn sein „böser Stern“ (S. 54) aufgeht.

Er sei bei seiner Geburt „aufgegangen und hatte den Funken hinabgeschossen, der in [ihm] eine der seltsamsten und verderblichsten Leidenschaften entzündet“ (S. 55). Sein Verhalten sei ihm angeboren, da er bereits als Kind Anzeichen dafür bemerkte. Allerdings kann man bei dem Verhalten Cardillacs als Kind noch keine Störung feststellen. Er hatte eine enorme Begeisterung für Schmuck und konnte instinktiv echtes Material von falschem unterscheiden. Sein starkes Verlangen nach Schmuck wird als „Trieb“ bezeichnet...

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