Gefühl versus Logik

Wollte man eine Moral aus der Handlung der Novelle ziehen, so wäre sie wohl, dass man in Zweifelsfällen dem Gefühl trauen und einem Angeklagten mit dem Glauben an das Gute im Menschen gegenübertreten sollte. Die Figur Scuderi ist eindeutig die Heldin der Geschichte. Ihre positiven Attribute werden immer wieder erwähnt, sie ist „die Liebenswürdigkeit, die Anmut selbst“ (S. 21). Sie klärt den Fall Cardillac mithilfe ihrer Intuition auf. Sie rettet den unschuldig angeklagten Olivier Brusson vor dem Todesurteil der Chambre ardente. Ihre Intuition sagt ihr zunächst, dass seine Freundin Madelon ein guter Mensch ist und die Wahrheit spricht, obwohl sie von der Polizei  verdächtigt wird, in den Mord ihres Vaters verstrickt zu sein (S. 32). Das Fräulein von Scuderi hat Mitleid mit Madelon, nimmt sie auf und hört ihr zu . Durch das Gespräch ist die Scuderi „auf das Tiefste gerührt und ganz geneigt, den armen Olivier für unschuldig zu halten“, was sie veranlasst, dem Fall weiter nachzugehen (S. 34).

Doch dem Fräulein von Scuderi wird ein Gegner gegenübergestellt:  la Regnie, der Präsident der Chambre ardente, eines Sondergerichtshofes, der zur Aufklärung einer Serie von Giftmorden eingerichtet wurde. La Regnie bildet die Gegenposition zum Fräuleinr – als Vorstehender des Gerichtes, mit guten Argumenten für die Schuld Oliviers und mit einer negativen Grundeinstellung den Menschen gegenüber. La Regnie wird im Gegensatz zur Scuderi durchweg mit negativen Attributen charakterisiert. als schlecht charakterisiert. Der Mann „von garstigem Ansehen und heimtückischem Wesen“ (S. 12) repräsentiert das B...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen