Satire

Kästner und die Satire

Die Satire kritisiert Personen, Ereignisse oder Missstände, indem sie diese überspitzt und in verspottender Art und Weise darstellt. Im Gegensatz zur Komik und Parodie unterscheidet sie sich die Satire durch ihre kritische Haltung. Dafür nutzt sie zum Beispiel die Übertreibung, die Ironie und den Sarkasmus.

Erich Kästner versucht, in seinem Roman für Erwachsene Fabian mit Satire und Ironie die damalige Gesellschaft auf ihre Zersetzung hinzuweisen. Der Moralist Fabian spiegelt mit seinen Ansichten und seinem Verhalten in ironischer und überspitzter Weise den Verfall und die fehlende Moralität der Menschen wider. Dabei schlägt er keinen versöhnlichen Ton an, sondern arbeitet die Missstände sehr deutlich heraus.

Der Schriftsteller bezeichnet Fabian als ein Buch, das zwar die Zustände in der Großstadt Berlin am Ende der Weimarer Republik nachzeichnet, es sei aber „kein Poesie- und Fotografiealbum, sondern eine Satire. Es beschreibt nicht, was war, sondern es übertreibt.“ (S. 6). Der Moralist hält seiner Epoche keinen Spiegel, sondern „einen Zerrspiegel“ (S. 7) vor. Nur mit dem Mittel der Satire und der Karikatur vermag er noch auf die bestehenden Zustände und die drohende Gefahr hinzuweisen: „Wenn auch das nichts hilft, dann hilft überhaupt nichts mehr.“ (S. 7). Nachfolgend wird eine Reihe beispielhafter satirischer Situationen geschildert.

Übersexualisierung

Schon beim ersten Treffen tritt die Nymphomanin Irene Moll als lüsterne und kräftig zupackende Frau auf, die Fabian keine Wahl lässt. Sie misshandelt ihn auf dem Weg zu ihrer Wohnung und zwingt ihn dazu, sie in ihre Wohnung zu begleiten. Dort angekommen, zieht sie sich einen Schlafanzug mit schwarzen Spitzen an und kehrt ins Zimmer zurück, in dem Fabian wartet.

Irenes übertrieben Wollust führt dazu, dass sie ihm derart an den Hals springt, dass beide auf den Boden fallen. In diesem Moment tritt ihr Ehemann im Pyjama ein, um ihn zu begutachten, und spricht ihn an: „»Entschuldigen Sie, mein Herr, aber ich konnte nicht wissen, dass Sie mit meiner Frau bereits durchs Zimmer kriechen.«“ (S. 19-20). Seiner Frau wirft er vor: „Wenn du schon wünschst, dass ich mir deine Neuerwerbungen anschaue, kannst du sie mir wenigstens gesellschaftsfähig präsentieren. Auf dem Teppich! Das wird dem Herrn sicher nicht recht sein! Und ich schließ so schön, als du mich wecktest…“ (S. 20). Die Situation ist völlig grotesk und das Ehepaar beginnt, über Fabian zu verhandeln, der sich dabei vorkommt wie „ein Stück Streuselkuchen oder ein Rodelschlitten“ (S. 20).

Nachdem Fabian erfahren hat, warum die merkwürdige Vereinbarung zwischen Irene und Felix Moll geschlossen wurde, empfiehlt er ihm, seine Frau jeden Abend übers Knie zu legen, um sie mit Schlägen zur Vernunft zu bringen. Felix merkt an, dass er dies auch bereits versucht hat, aber er versteht dies falsch und zeigt mit seiner Antwort, dass er derjenige war, der die Schläge erhalten hat (S. 22-23). Die Missverständnisse und die Situationskomik verdeutlichen in überspitzter Weise Irenes Männerlust, die als Spiegel der übersexualisierten Gesellschaft in den 1930er Jahren fungiert. Dies spiegelt sich auch in ihrem Auftritt in dem Vergnügungslokal „Haupts Sälen“ wider (S. 63-64).

Das Kabaret

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