Merkmale der Neue Sachlichkeit im Werk

Realismus und Nüchternheit

In der Weimarer Republik repräsentierte die Neue Sachlichkeit die wichtigste literarische Strömung. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen fangen die Vertreter die desillusionierte Stimmung der Menschen ein und stellen in nüchterner Art und Weise die Gesellschaft, die sich verändernde Erotik und Sexualität, die Auswirkungen neuer Techniken und der Weltwirtschaftskrise dar.

Der Zeitroman bot sich als die optimale Romanform an, um die veränderten Umstände der Gesellschaft, der Wirtschaft und des sozialen Lebens möglichst eindrücklich und realitätsgetreu zu veranschaulichen. Die Autoren nehmen bei diesen Darstellungen eine möglichst objektive und beobachtende Haltung ein, um der Realität möglichst nahezukommen. Die Texte ähneln daher oft einer Reportage.

Die Handlung von Erich Kästners Roman Fabian ist am Ende des Jahres 1930 zu verorten und fällt damit mit dem Jahr der Entstehung des Romans zusammen. Diese unmittelbare Verknüpfung von Literatur und zeitgenössischem Erleben ist typisch für Werke der Neuen Sachlichkeit. Am Anfang der Geschichte verraten die Schlagzeilen der Abendblätter schon, was sich in der Welt abspielt: „Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, […] Verbrecherdrama in Chikago, Verhandlungen in Moskau über das Holzdumping, Starhembergjäger rebellieren.“ (S. 9)

 Die Werke der Neuen Sachlichkeit wollen die veränderten Lebensumstände und den neuen Zeitgeist möglichst realistisch darstellen (siehe auch dazu Lektürehilfe / Literaturepochen / Neue Sachlichkeit). Sie schildert zum Beispiel die Desillusion, welche durch die Schrecken des Ersten Weltkriegs auf die Menschen ausgelöst wurde, und zwar auch noch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Krieges. Auch in Fabian ist diese Thematik präsent: „Dieser verdammte Krieg! Ein krankes Herz dabei erwischt zu haben, war zwar eine Kinderei, aber Fabian genügte das Andenken. […] Er schloss die Augen und entsann sich schrecklicher Fotografien, die er gesehen hatte und die mitunter in seinen Träumen auftauchten und ihn erschreckten.“ (S. 70-71).

Distanz und Sachlichkeit

Die Autoren der neuen Sachlichkeit nehmen eine beobachtende und distanzierte Haltung ein und streben danach, die Wirklichkeit möglichst sachlich beschreiben. Die handelnden Figuren zeigen keine Gefühle oder nur in ganz geringem Maße. Die Personen in Erich Kästners Roman Fabian zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie nur wenige Gefühle zeigen. Anhand einer Reihe von Beispielen wird diese Behauptung nachfolgend belegt:

- Das Verhältnis von Irene Moll und ihrem Mann ist völlig distanziert und ihr Zusammenleben durch einen merkwürdigen Vertrag geregelt. Irene gibt sich völlig zügellos ihrer Sexualität hin, welche die übersexualisierte Gesellschaft widerspiegelt, während ihr Mann sich das Recht verbrieft hat, ihre Liebhaber dann aus dem Haus zu verweisen, wenn sie ihm nicht gefallen (vgl. dazu „Charakterisierung „Irene Moll“).

- Labude wird schwer von seiner Verlobten Leda enttäuscht, die ihn mit einem anderen Mann betrügt. Kurze Zeit später hat er dies bereits angeblich überwu...

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