Historischer Hintergrund

Der Börsencrash von 1929 und die Weltwirtschaftskrise

Die Handlung Erich Kästners Roman Fabian zeichnet die wirtschaftlichen Auswirkungen des Börsencrashs von 1929 sowie den Rechtsruck der politischen Lage nach, der 1930 deutlich hervortrat. Am Ende dieses Jahres ist die Handlung zu verorten und fällt damit mit dem Jahr der Entstehung des Romans zusammen.

Der Grund für den Börsencrash im Oktober 1929 besteht darin, dass die Aktienkurse in die USA in den 1920er Jahren innerhalb kurzer Zeit in starkem Maße ansteigen und viele Menschen ihr Geld in Aktien anlegen sowie Kredite aufnehmen. Viele Spekulanten gehen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass sich der kontinuierliche Anstieg der Aktienkurse fortsetzen wird.

Doch als das wichtigste Börsenbarometer, der Dow Jones, im Oktober 1929 in starkem Maße Punkte verliert, werden die Anleger nervös. Am 24. Oktober kommt es an der Wall Street zu einer Panik unter ihnen und viele versuchen, gleichzeitig ihre Aktien zu verkaufen, was zu massiven Kurseinbrüchen führt. Innerhalb von zwei Stunden fällt der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen um 11 Milliarden US-Dollar.

In der darauffolgenden Woche bricht der Markt zusammen, manche Aktien erleiden Wertverluste von bis zu 99%. Viele Firmen sind nun hoch verschuldet und müssen Bankrott anmelden, was zu Massenentlassungen und einer damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit führt. Auch viele Privatvermögen sind durch die Folgen des Börsencrashs vernichtet und ehemals vermögende Familien stehen nun vor dem Nichts.

Die Krise verbreitet sich rasch weltweit wie eine Epidemie aus und trifft auch Deutschland kurz nach ihrem Aufbruch. Neben den finanziellen Belastungen durch die Weltwirtschaftskrise ächzt Deutschland in dieser Zeit immer noch unter den Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs, die für viel Spannung in der Bevölkerung sorgen. Viele dieser Zahlungen werden mit Krediten finanziert, die nach der Weltwirtschaftskrise nicht mehr zurückgezahlt werden konnten.

Der Versuch von Reichskanzler Brüning (1930-1932), mit Österreich eine Zollunion zu vereinbaren, führt zu einer großen Verunsicherung der ausländischen Gläubiger, die ihre Kredite abziehen und Deutschland im Frühjahr 1931 an dem Rande der Zahlungsunfähigkeit bringen. Dies führt im Juli 1931 zu einer vorübergehenden Schließung aller Banken.

Erst im Sommer 1932 werden die Reparationszahlungen nach einer Restzahlung Deutschlands in Höhe von drei Milliarden Goldmark in Devisen aufgehoben. Die Regierung um Heinrich Brüning reagiert mit einer strengen Sparpolitik, was zu einer Deflation führt. Bis 1933 wächst die Arbeitslosigkeit aufgrund dieser Ereignisse auf über 30 Prozent.

All diese Ereignisse verunsichern die Bevölkerung Anfang der 1930er Jahre zutiefst und führen zu der Auflösung von Regeln, Moral und gesellschaftlicher Stabilität. Diese Ereignisse und Umstände spiegeln sich deutlich im Verhalten der Menschen in Kästners Roman wider. Auch Fabians Arbeitsplatz fällt den Sparmaßnahmen der Verwaltung zum Opfer, welche den Grund für Fabians Arbeitslosigkeit darstellen.

1930: Die gesellschaftliche und politische Lage

Die Massenarbeitslosigkeit

Infolge des Börsencrashs und der nachfolgenden Weltwirtschaftskrise müssen in Deutschland zahlreiche Banken, Unternehmen und Geschäfte Konkurs anmelden. Damit werden Massen an Mitarbeitern entlassen. Zwischen 1929 und 1932 steigt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland von circa 1,9 Millionen auf rund 5,5 Millionen an. Hinzu kommt eine verdeckte Arbeitslosigkeit durch nicht gemeldete Arbeitslose und Kurzarbeiter von etwa 2 Millionen.

Die Arbeitslosenunterstützung wird ab 1930 in Höhe und Dauer gekürzt und dann für...

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