Mutterliebe

Die Pflegemutter Josefa Breirather

Hackls Erzählung macht am Beispiel Josefas deutlich, dass eine Frau ein ihr anvertrautes Kind ebenso bedingungslos lieben kann wie ein Kind, dass sie selbst geboren hat. Völlig unwichtig sind der Pflegemutter dabei das Aussehen oder die Herkunft des Kindes. Ihre Liebe wird von der Beziehung geprägt, die sie im Laufe der Zeit zu dem Kind aufbaut.

Josefa behandelt ihre beiden Pflegekinder Hilde und Sidonie genauso wie ihren leiblichen Sohn Manfred. Sidonie spürt dies und obwohl Hans und Josefa ihr mitteilen, dass sie als Säugling angenommen wurde, glaubt sie nicht daran: „Für Sidonie war es keine Frage, dass sie das rechtmäßige Kind ihrer Zieheltern war“ (S. 56). Manchmal „behauptete sie unerschütterlich, von Josefa empfangen worden zu sein“ (ebd.).

Obwohl sich Josefa sehr darum bemüht, alle drei Kinder in gleicher Weise zu lieben, plagt sie manchmal ein schlechtes Gewissen (S. 50). Da Sidonie oft krank ist und mehr Zuwendung benötigt, fürchtet Josefa, Manfred zu benachteiligen. Dieser ist jedoch „nie eifersüchtig auf seine Schwestern“ (ebd.). Der Pflegemutter gelingt es, ihren Kindern das Gefühl zu vermitteln, niemanden zu bevorzugen.

Als Josefa nach Manfred keine eigenen Kinder mehr bekommen kann, bemüht sie sich um ein Pflegekind (S. 20). Sie bekommt die Nachricht, dass eine Pflegefamilie gesucht werde, und begibt sich daraufhin ins Steyrer Krankenhaus. Dort stört Josefa sich im Gegensatz zu Pförtner Mayerhofer und der Krankenschwester nicht an Sidonies Hautfarbe (S. 21/22) und nimmt das Mädchen, ohne zu zögern, mit nach Hause (ebd.).

Josefa verbindet mit der Mutterrolle die bedingungslose Liebe zu ihren Kindern. Dabei handelt sie selbstlos und konsequent und schützt Sidonie vor Diskriminierung: Als das Mädchen im Hof von Nachbarskindern angespuckt wird, geht Josefa mit ihr und Hilde zum Waldrand, an dem die Mädchen ungestört spielen können (S. 75).

Josefa tut alles, um ihrer Pflegetochter eine glückliche Kindheit zu ermöglichen. Als Hans im Gefängnis sitzt und die...

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