Aufbau und Inhalt

Einzelschicksale und historische Ereignisse

Die Erzählung besteht aus elf Kapiteln, die jeweils zwischen 8 und 16 Seiten lang sind.

Der Aufbau der Erzählung orientiert sich an den historischen Ereignissen und ist mit Ausnahme von zwei Rückblenden (Kap. 2 und 9) chronologisch angeordnet.

Erich Hackl beschreibt Sidonies kurzen Lebensweg: Er beginnt mit dem Auffinden des wenige Wochen alten Säuglings vor dem Steyrer Krankenhaus bis zum Tod des Mädchens im Alter von zehn Jahren. Parallel dazu erfährt der Leser viel über die Geschichte der österreichischen Gemeinden Letten, Steyr und Sierning während der Nazizeit.

Der Autor verbindet in seiner Erzählung die Beschreibung von Einzelschicksalen mit der Darstellung der historischen Ereignisse während der NS-Zeit in Österreich. Neben Sidonie werden auch ihre Pflegefamilie und viele weitere Personen aus dem Umfeld des Mädchens beschrieben. Dabei zeigt Hackl auf, wie unterschiedlich sich die Menschen unter dem Einfluss der politischen Umstände verhalten.

Während sich das Ehepaar Breirather bis zum Schluss gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit wehrt (Kap.3,10), zeigen andere Personen opportunistische Verhaltensweisen (Ehepaar Schönauer, Frau Grimm, Frau Korn) und unterstützen dadurch den Naziterror (S. 30, 71, 85, 88).

Die Hauptfigur und ihr Umfeld (Kapitel 1)

Das erste Kapitel steigt direkt in die Handlung ein und beginnt mit einer sachlichen Information: Pförtner Mayrhofer findet im Eingang des Steyrer Krankenhauses einen Säugling (S. 7/8) und ruft einen Arzt. Dieser „zweifelte keinen Moment lang, dass Zigeuner das Mädchen weggelegt hatten“ (S. 8/9).

Im Folgenden wird beschrieben, dass am Ufer des Flusses, der ebenso wie die Stadt Steyr heißt, regelmäßig Zigeuner ihr Lager aufschlagen (S. 9). Somit erhält der Leser bereits zu Beginn der Geschichte die Information, dass Zigeuner in den österreichischen Alltag integriert sind und mit der Bevölkerung zusammenleben.

Hackl beschreibt weiter die bürokratischen Vorgänge im Zusammenhang mit dem Findelkind: Das Steyrer Jugendamt sucht nach der Mutter des Babys(S. 9) und bleibt in seinem Bemühen zunächst erfolglos.

Der Leser gewinnt durch Sidonies Schicksal auch Einblicke in die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit: Das Mädchen leidet an der Englischen Krankheit. Dies ist eine Erkrankung, die aufgrund von Mangelernährung entsteht (S. 10). Gleichzeitig wird über die Armut informiert, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Steyr...

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