An Gott Interpretation

Titel, Form und Metrik

Die bekannteste Frau unter den expressionistischen Lyrikern, Else Lasker – Schüler, veröffentlichte das Gedicht „An Gott“ 1911 in dem Gedichtband „Meine Wunder“. 1913 wurde es  ebenfalls in dem Band „Hebräische Balladen“ publiziert. Der Titel des Gedichts reiht es in die Gattung der Ode oder des Gebets ein. Es suggeriert eine Bitte oder eine Danksagung/Huldigung an Gott.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit einer unterschiedlichen Anzahl von Versen. Die erste Strophe umfasst vier Verse, die zweite drei und die vierte fünf. Auch die Anzahl der Hebungen in den Zeilen  wechselt zwischen zwei und sechs. Dem siebten Vers liegt ein Trochäus zugrunde, den anderen Versen der Jambus. Der Reim ist unregelmäßig (abca/dae/ffgaf). Es gibt zwei Reimungen (a und f), wobei der erste a-Reim nur durch zwei wiederholte Wörter entsteht.

Die erste Strophe

Dem Titel entsprechend beginnt der erste Vers mit der direkten Anrede „Du“. Das Lyrische Ich spricht Gott an, indem es sich auf die Theodizee  - Problematik bezieht.  Die Theodizee  - Frage ist die Frage nach der 'Rechtfertigung Gottes'. Die Frage lautet: „Wie kann ein Gott gut und gerechtfertigt und gerecht sein, wenn er auch das Böse in der Welt zulässt? So stellt der Sprecher des Gedichts fest, dass Gott weder den guten noch den bösen Sternen „wehrt“.

Das veraltete und heute nicht mehr oft gebrauchte Wort „wehren“ bedeutet sich einer Sache/einem Schicksal, einem anderen Menschen zu widersetzen. Aber dies tut Gott eben nicht, da er sowohl das Böse als auch das Gute zulässt.

Die Sterne fügen sich als Himmelsgestirne in den Bereich Gottes ein, denn der Himmel ist der Ort Gottes: Er hat „Himmel und Sterne erschaffen“, wie es die Bibel berichtet. Das Gute und das Böse sind menschliche Eigenschaften, die hier den Sternen zugesprochen werden, sie werden personifiziert.

Die zweite Zeile bekräftigt die Personifizierung der Sterne, denn hier heißt es, dass sie launisch sind. Als launisch werden diejenigen Menschen bezeichnet, die ihre stark wechselnden Gefühlen nach außen tragen. Dadurch wirken sie oft gegenüber ihren Mitmenschenunfreundlich.  Wie die Menschen so geben die Sterne demnach ihren jeweiligen 'Stimmungen' nach, denn ihre „Launen strömen“ geradezu.

Das Wort Laune kommt auch in der Astrologie vor. Aus dem Lateinischen kommend von „luna“ bedeutet es Mond. In der Astrologie bezeichnet dies Wort den Einfluss des Mondwechsels auf den Menschen, dem der Mensch willkürlich ausgesetzt ist. Die Sterne werden mit dem Wort sowohl dem astrologischen als auch dem menschlichen Kontext zugeordnet. Das Verb „strömen“ lässt an Wasser denken, das voller Dynamik dahinfließt. Diese Bewegung bewirken demnach auch die Sterne.

Die dritte Zeile wechselt die Perspektive, ...

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