Die Weber: Ein sozialistisches Drama?

Verbot und Verteidigung

In den Jahren 1892/93 wurden sowohl gegen die schlesische als auch gegen die dem Hochdeutschen angenäherte Fassung der »Weber« von der Berliner Zensurbehörde ein Aufführungsverbot verhängt. Man unterstellte dem Stück eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch aufrührerische Tendenzen. Das Bühnenwerk verleite die Berliner Bevölkerung zu Revolution und Klassenkampf, so hieß es in der Begründung. Es folgten zahlreiche weitere Aufführungsverbote sowohl an deutschen als auch an internationalen Theatern (vgl. Kapitel „Epoche“ Abschnitt „Rezeption und Kritik“).

Hauptmann selbst leugnete jegliche gesellschaftskritische oder sogar sozialdemokratische Tendenz seines Weberdramas. Diese Ansicht ließ er im Berliner Prozess um die Aufführungsrechte durch seinen Anwalt schriftlich begründen. In der juristischen Verteidigung lassen sich vier zentrale Argumente ausmachen: 

  1. Zunächst verwies Hauptmann auf den historischen Charakter seines Dramas. Das Werk habe vordergründig den Wandel von der Hand- hin zur Maschinenweberei dokumentieren wollen. Die Orts- und Zeitgebundenheit des Stückes könnten somit den Vorwurf der ‚gefährlichen Aktualität‘ entkräften. 
  2. Das zweite Argument führte die schlesischen Webervorfahren des Dramatikers ins Feld. So sei die Wahl des Stoffes lediglich in der eigenen Familiengeschichte begründet und nicht etwa in politischen Absichten. 
  3. Eine weitere Begründung liegt im Kunstverständnis Hauptmanns, welches die st
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