Die Weber als soziales Drama und Sozialstudie

Bis heute gilt Hauptmanns Die Weber« als Prototyp des sozialen Dramas. Als solches bezeichnete sie auch der Dichter selbst in seiner später entstandenen Autobiografie („Das soziale Drama lag in der Luft“). Wie weit der sozialkritische Anspruch des Schauspiels geht, ist jedoch umstritten. Hauptmann bezeichnete sich als „soziale[n] Autor“, den er jedoch nicht im Sinne eines Systemkritikers oder Revolutionärs definierte. Er wollte nach eigener Aussage lediglich Mitleid erregen, aber nicht zum Umsturz der sozialen Verhältnisse aufrufen (vgl. Abschnitt „Gesellschaftskritik“). 

Entsprechend der naturalistischen Kunstauffassung kann die Arbeit Hauptmanns mit den Methoden eines Sozialwissenschaftlers verglichen werden. So lassen sich »Die Weber« als Sozialstudie lesen, die sowohl die Gesamtgesellschaft als auch die einzelnen Milieus bis hin zum Individuum im Blick hat:

Makroebene

Auf der Makroebene bildet Hauptmann die sozialen Hierarchien in Schlesien Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Die Stellung der Weber am unteren Rand der Gesellschaft manifestiert sich vor allem durch ihr rückständiges Handwerk sowie die prekären Arbeitsbedingungen und die damit einhergehende ökonomische Abhängigkeit. Im Übergang von der ständisch-feudalen hin zu der industriell-kapitalistischen Gesellschaft repräsentieren die Weber die Verlierer

Als wesentliches Kriterium für die gesellschaftlichen Beziehungen können die Produktions-verhältnisse ausgemacht werden, die Hauptmann vornehmlich i...

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