Der Aufstand der schlesischen Weber 1844

Die Lage der deutschen Textilindustrie

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die preußische Leinenweberei für ihre Qualitätsarbeit bekannt. Trotz beträchtlicher Konkurrenz eroberte sie europaweit die Absatzmärkte. Die Webstoffe aus Schlesien schafften es sogar nach Übersee. Diese Blütezeit endete schlagartig mit der Erfindung des ersten mechanischen Webstuhls, der die Arbeit schneller, billiger und effizienter machte. Die Maschinen verbesserten nicht zuletzt auch die Qualität der Webstoffe. Die einst so erfolgreiche Handarbeit der Weber wurde zu teuer und daher immer seltener nachgefragt.

Durch die Rationalisierungsmaßnahmen und Absatzeinbußen geriet das traditionelle Weberhandwerk Ende des 18. Jahrhunderts erstmals in eine unmittelbare Notlage. Besonders dramatisch war die Situation der schlesischen Weber, die buchstäblich ins Abseits der zentralen Produktionsstätten und Märkte gerieten. Ihre häuslichen Manufakturen konnten der technisierten Konkurrenz gegenüber nicht standhalten. Einst bildete Schlesien das Zentrum der deutschen Textilindustrie. Nachdem auch die preußische Regierung kaum mehr Unterstützung bot, verfielen die schlesischen Webergebiete zur wirtschaftlich isolierten Provinz. 

Das ursprünglich sehr kunstfertige Weberhandwerk wurde nurmehr zur schlechtbezahlten Zuarbeit in den Industriebetrieben degradiert. Die Profiteure der Billiglohnproduktion waren die Fabrikbesitzer. Doch auch sie waren dem ausländischen Konkurrenzdruck ausgeliefert – insbesondere durch die britische Textilindustrie, die als Vorreiter der mechanischen Webstühle gilt. Schutzzölle auf Textileinfuhren aus England hätten der Krise Einhalt gebieten können. Doch die preußische Regierung lehnte diese Maßnahme ab, um den eigenen Export von Holz und Agrarprodukten nach England nicht zu gefährden. Darüber hinaus brachen der preußischen Textilproduktion auch die Absatzmärkte in Südeuropa und Lateinamerika weg. Grund dafür waren außenpolitische Spannungen mit Spanien und Portugal.

Die Lage der Weber

Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Not der Textilarbeiter ständig zu. Die immer noch in rückständiger Hand- und Heimarbeit tätigen Weber lebten in bitterer Armut, die sich in unmenschlichen Wohnverhältnissen, mangelnder Hygiene und verheerender Unterernährung zeigte. Die katastrophalen Umstände verursachten bei den Textilarbeitern einen zunehmenden körperlichen und geistigen Zerfall. Auch Kinder, alte, kranke und schwache Familienmitglieder mussten sich an der mühsamen Tag- und Nachtarbei...

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