Dreißiger

Der erfolgreiche und skrupellose Textilfabrikant

Wilhelm Dreißiger ist ein wohlhabender und einflussreicher Parchentfabrikant in Peterswaldau. Er ist Anfang vierzig, „fettleibig“ und „asthmatisch“ (S. 17). Gemeinsam mit seiner jungen, attraktiven Frau und seinen beiden Söhnen Georg und Karl (vgl. S. 84) bewohnt er eine luxuriöse Villa, die mit allerhand „ungemütliche[m] Prunk“ (S. 71) ausgestattet ist. 

Der reiche Fabrikant ist mit seinem Unternehmen Marktführer in der Umgebung. Er kann die Preise und Produktionsbedingungen des Textilgewerbes in der Gegend maßgeblich diktieren. Ursprünglich stammt der erfolgreiche Arbeitgeber jedoch selbst aus armen Verhältnissen, denn sein Großvater war einst ein armer Weber (vgl. S. 55). Dreißiger selbst beschäftigt mittlerweile hunderte Weber sowie einige weitere Mitarbeiter, wie beispielsweise den Expedienten Pfeifer und den Kassierer Neumann. Auch privat versammelt er einige Angestellte um sich, darunter den Hauslehrer Weinhold und den Kutscher Johann. 

Bei den mittelständischen Handwerkern und Gewerbetreibenden genießt Dreißiger einen gewissen Respekt aufgrund seines wirtschaftlichen Aufstiegs. Dies trifft unter anderem auf die Wirtsfamilie Welzel sowie den Tischler Wiegand zu, der mit seiner Bekanntschaft zu dem stadtbekannten Unternehmer prahlt (vgl. S. 53). 

In Hauptmanns Drama fungiert der mächtige Dreißiger als Repräsentant skrupelloser und menschenverachtender kapitalistischer Unternehmer, die sich auf Kosten der armen Bevölkerung bereichern. Dank ungerechter Bezahlung und menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen leben die Weber in bitterster Armut, leiden unter Hunger und Krankheit, wohnen in heruntergekommenen Behausungen und tragen nurmehr Lumpen am Körper (vgl. Kapitel „Interpretation“, Abschnitt „Weber und Nicht-Weber“). 

Als Vorbild für die Figur Dreißigers diente Hauptmann der schlesische Textilfabrikant Ernst Friedrich Zwanziger, der während des Weberaufstands 1844 für seine Lohndrückertaktik bekannt wurde (vgl. Kapitel „Epoche“, Abschnitt „Quellen“).

Der kaltblütige Arbeitgeber

Dreißigers Unternehmen ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil es die Weber s...

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